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Blei

1. Allgemein

 

1.1 Geschichte der Bleivergiftung

Ging das Römische Reich durch Bleivergiftung zugrunde?

  • Spiegel: Gift im Brei (9.1965)

    Nicht süßes Leben hat Roms Niedergang verschuldet, sondern süßer Saft. Wein (dem die römische Society reichlich zusprach) und Trauben-Sirup (mit dem Roms Köche ihrer Herrschaft Speisen süßten) waren - einige Jahrhunderte hindurch - mit Spuren eines heimtückischen Gifts versetzt. Bechernd und Brei löffelnd hat sich Roms Oberschicht in gemeinschaftlichem Selbstmord dezimiert: Rom kränkelte und starb an Bleivergiftung.

  • Bild der Wissenschaft: Verbleites Trinkwasser im alten Rom (4.2014)

    Das Trinkwasser im alten Rom war offenbar doch ziemlich bleihaltig. [...] Vor allem im frühen römischen Reich und im frühen Mittelalter lag die Bleibelastung demnach bis zum 100-Fachen über den natürlichen Werten.

  • Facts About Lead (2016)

    Im alten Rom wurde dem Wein Blei zugesetzt, damit er noch süßer schmeckte. Obwohl diese Praxis seit 1498 durch die römisch-katholische Kirche verboten war, wurde sie noch eine Zeit lang bis ins 18. Jahrhundert fortgesetzt, was zur Vergiftung breiter Bevölkerungskreise führte.

  • spektrum.de: Die Schwermetallgeschichte des alten Rom (2017)

    Trink- und Abwasser wurden durch Bleileitungen geführt. Das Blei hat sich im Sediment des Flusses Tiber und des Hafens Ostia abgelagert.

 

2. Vorkommen, Verwendung

Blei wurde und wird an vielen Stellen eingesetzt:

  • Treibstoff:

    Für Jahrzehnte wurde Blei als Antiklopfmittel in Treibstoffen eingesetzt. Es handelte sich um die organische Bleiverbindung Tetraethylblei (TEL). Ab den Jahren 1988 - 1996 wurde Blei in allen Otto-Kraftstoffen wie Benzin und Super schrittweise verboten. Blei wird aber weiterhin in Flugbenzin eingesetzt.

  • Radiatoren,
  • Batterien und Akkumulatoren,
  • Spielzeug und billiger Schmuck (Anhänger von Ketten und Armbändern), vorzugsweise für Kinder,
  • Bleiplatten zur Abschirmung gegenüber Röntgenstrahlung.

Bleistifte enthalten kein Blei, sondern Graphit. Die Bezeichnung enstand, als erstmals im 16. Jahrhundert Graphit in England gefunden wurde. Man dachte anfangs, es sei Blei.

  • Lead Exposure Elimination Project (LEEP)

    Vor allem in den Entwicklungsländern ist die Vergiftung mit Blei immer noch ein akutes Problem, das von vielen ignoriert oder nicht erkannt wird. Die Nichtregierungsorganisation LEEP will das ändern.

  • Sarah Emminghaus, Spiegel Online: Wie Blei im Globalen Süden Kinder vergiftet (14.9.2023)
    Es steckt in Gewürzen, Keramik, Spielzeug: Vor allem in ärmeren Ländern wird Blei vielfach verwendet. Doch das Schwermetall ist extrem schädlich. Und am meisten leiden die Kleinsten.

    Die Kleinsten leiden, wenn die Atemluft mit Bleistaub vergiftet ist. Wenn Kinder im gewerblich-industriellen Umfeld Kinderarbeit leisten müssen und dabei viel Blei aufnehmen, wird ihr Gehirn dauerhaft geschädigt und sie werden der Chance für ein gutes Leben beraubt.

 

2.1 Blei in Lebensmitteln

  • Pflanzen wie Ginseng und Ingwer, die im kontaminierten Erdboden wachsen;
  • Gewürze,
  • Innereien von Schlachttieren,
  • Wildgerichte, die Bleikugeln von der Jagd enthalten;
    auch (Sport-)Schützen, die Bleimunition verwenden, sind gefährdet;
  • Kakao und hoch-kakaohaltige Schokolade.

Studie:

 

2.2 Blei in Trinkwasser

Früher (vor 1973) wurden Wasserleitungen aus Blei hergestellt, die möglicherweise immer noch in Betrieb sind und das Trinkwasser mit Blei belasten.

 

2.3 Malerfarben

Blei wurde früher in Bleiweiß und Blei-Mennige verwendet. Diese Farben sind in alten Häusern immer noch vorhanden; wegen der Gesundheitsgefahren wollen WHO und UNEP bis 2020 ein weltweites Verbot von Blei in Malerfarben durchsetzen.

  • CDC: Lead in Paint

    Empfehlungen, wie die Blei-Belastung im eigenen Heim ermittelt und verringert werden kann.

  • UNEP und WHO wollen bis 2020 ein weltweites Verbot von Blei in Malerfarben durchsetzen.

    • UNEP: Protect our children, ban lead in paint (9.2.2017):

      Jährlich wird mit weltweit 600.000 neuen Fällen geistiger Behinderung von Kindern durch Bleivergiftung gerechnet, die meisten in den Entwicklungsländern. Darunter versteht man den Verlust an Intelligenz, die Verkürzung der Aufmerksamkeitsspanne und Verhaltens­störungen. Es gibt keine Behandlung für diese Symptome. Bei Erwachsenen wurden Bluthochdruck, Nierenkomplikationen, Schmerzen an Gelenken und Muskeln, Verschlechterung der mentalen Leistungsfähigkeit, Gedächtnisverlust und affektive Gemüts­störungen beobachtet. Es gibt auch Schäden an den Fortpflanzungsfunktionen: bei Männern verringert sich die Spermienanzahl und die Spermien werden abnorm verändert, bei schwangeren Frauen kommt es zu Fehl- und Frühgeburten.

    • WHO: Lead poisoning and health
      • Blei ist ein kumulativ wirkendes Gift, das mehrere Körpersysteme beeinträchtigt und besonders schädlich für junge Kinder ist.
      • Blei wird im Körper zum Gehirn, zur Leber, den Nieren und Knochen hin verbreitet. Es wird in Zähnen und Knochen angereichert und gespeichert.
      • Blei wird während der Schwangerschaft in die Knochen freigesetzt und dadurch zur Belastung für den sich entwickelnden Fötus.
      • Es gibt keinen sicheren Grenzwert für Blei.
      • Bleivergiftung lässt sich verhindern.
      Die WHO erklärt, dass die Bleibelastung beim Menschen üblicherweise durch Messung der Bleikonzen­tration im Blut bewertet wird. Es wird aber nicht erläutert, was die Konzentration im Blut mit der Konzentration in den kritischen Organen (Gehirn, Knochen, Leber, Nieren) zu tun hat: gibt es eine Korrelation? ‒ Vermutlich nicht!

 

2.4 Blei in Lippenstift

 

3. Wirkung, Symptome

Obwohl Menschen seit Jahrtausenden mit Blei in Kontakt kommen, hat die Evolution nicht dazu geführt, dass Nerven-, Immun- und Stoffwechselsystem sich daran anpassen konnten - die Giftwirkung ist unverändert hoch. Die Wirkung von Blei beruht darauf, dass Blei im Körper gespeichert wird und dass Calcium durch Blei verdrängt wird. Folgende Symptome wurden beobachtet:

  • Krebs

    Blei ist für den Menschen wahrscheinlich krebserzeugend (IARC 2006; Gruppe 2A). Gemäß IARC entsteht Krebs, weil Blei oxidativen Stress verursacht, den Zink-Stoffwechsel stört und die Signalisierung zwischen den Zellen und die genetischen Informationen im Zellkern verändert. In der Folge entstehen genetische Defekte und Mutationen der Zellen. Das erhöhte Krebsrisiko wirkt vor allem im Blutbildungs­system mit der Folge von Leukämie und malignen Lymphomen.

  • Blutbildungssystem:
    Beeinträchtigung der Hämoglobinsynthese auf mehreren Stufen: die Produktion der roten Blutzellen wird gestört, und eine Anämie kann verursacht werden.
  • Krämpfe, Verstopfung, Bauchschmerzen, Appetitverlust, Erbrechen, Nierenschäden, Muskelschwäche und Muskelschmerzen,
  • Schäden am Gehör durch Verschiebung der Hörschwelle;
  • Schäden an den Nieren, Reduzierung der Nierenfunktionsleistung
  • Autoimmunkrankheiten der Haut
  • Knochen und Gelenke:
    Blei stört die Calcium-Aufnahme in die Knochen und damit das Knochenwachstum. Blei ist ein Risikofaktor für Knie-Osteoarthritis und Gelenkschmerzen.
  • Schädigung des Hormonsystems mit der Folge von:
    • Reduzierung der Sexualhormone und Beeinträchtigung der Fortpflanzungsfähigkeit bis hin zur Unfruchtbarkeit. Bei Männern verringert sich die Spermienanzahl und die Spermien werden abnorm verändert, bei schwangeren Frauen kommt es zu Fehl-, Früh- und Totgeburten.
    • Schädigung der Hormon-Signalisierung innerhalb des Stress-Systems, die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (engl. HPA-Axis).
      Folge: Der Körper kann Stress schlechter bewältigen, und es kommt zu Bluthochdruck, Diabetes, Angst und Depressionen.

Besonders gefährdet sind Kinder, da sich bei ihnen das Gehirn und die Knochen im Wachstums- und Entwicklungsprozess befinden. Es besteht das Risiko verzögerter Entwicklung, von Verhaltensstörungen, geringerer Intelligenz sowie von Problemen beim Hören und Sprechen.

 

3.1 Systemische, biologische Wirkung

Blei wird im Körper gespeichert. Das Skelettsystem inklusive der Kieferknochen ist ein Speicherorgan für potentiell toxische Elemente wie Blei, Cadmium und Aluminium. Die Halbwertszeit der Metalle im Knochen beträgt oft Jahrzehnte. Blei bildet im Knochen und in den Zähnen mit Phosphat schwerlösliches Bleiphosphat, und bleibt dort lange Zeit gespeichert. Man rechnet mit einer Halbwertszeit von bis zu 30 Jahren.

Blei unterdrückt die Freigabe von Neurotransmittern und verändert die Rezeptoren der Neurotransmitter. Tierversuche haben gezeigt, dass besonders der D2-Rezeptor von Dopamin bereits bei einer niedrigen Blei-Dosis geschädigt wird. Die Störung dopaminerger Funktionen durch Blei kann eine Vielzahl neurokognitiver Probleme und Verhaltensstörungen verursachen. Zudem wird der oxidative Stress verstärkt, das Immunsystem geschädigt und es werden die Glutathion-Werte verringert.

Blei durchdringt die Blut-/ Hirn-Schranke und die Plazenta-Schranke.

Da die Belastung mit Blei keine offensichtlichen, typischen Symptome erzeugt, wird sie häufig nicht bemerkt und kann deshalb über viele Jahre einwirken und von bestimmten Interessenvertretern kleingeredet werden. Werden Symptome bemerkt, dann enthält der Körper bereits erhebliche Mengen an Blei.

 

3.2 Schwangerschaft, Vererbung

Bleibelastung des Fötus

Weil Blei die Plazenta durchdringt, ist der Bleigehalt im Blut des Fötus so hoch wie bei der Mutter, aber bezogen auf das Körpergewicht ist die Bleilast des entstehenden Kindes wesentlich höher als bei der Mutter.
Mögliche Folgen: Frühgeburt, niedrigeres Geburtsgewicht, langsameres Wachstum des Kindes nach der Geburt und weitere Schäden.

Bleibelastung der Schwangeren

Während der Schwangerschaft werden Mineralien, z.B. Calcium, an den Orten (z.B. Knochen), wo sie gespeichert waren, freigesetzt, weil der sich entwickelnde Fötus einen besonderen Mineralienbedarf hat. Auch schädliche Metalle wie Blei und Aluminium werden dabei freigesetzt.

Empfehlung an die Schwangere: gute Versorgung mit Calcium.

  • Matthias L. Riess and Josiah K. Halm:
    Lead Poisoning in an Adult: Lead Mobilization by Pregnancy? (6.2007)

    Bei einer Frau werden Blei-Vergiftungs-Symptome und erhöhte Blei-Werte im Blut kurz nach Ende einer Schwangerschaft beobachtet. Man nimmt an, dass das Schwermetall zusammen mit anderen Mineralien während der Schwangerschaft im Körper der Frau mobilisiert wurde.

Vererbung

Blei im Blut einer Schwangeren verändert das Erbgut ihrer DNA und schädigt dadurch ihre Nachkommen.

  • Arko Sen, Nicole Heredia, Marie-Claude Senut, Susan Land, Kurt Hollocher, Xiangyi Lu, Mary O. Dereski & Douglas M. Ruden:
    Multigenerational epigenetic inheritance in humans: DNA methylation changes associated with maternal exposure to lead can be transmitted to the grandchildren (29.9.2015)

    Kommentar von Rebecca Williams: Study Shows Lead Exposure May Impact Several Generations

    In Detroit wurde an 35 Mutter-Kind-Paaren untersucht, wie sich der Bleigehalt in der Mutter während der Schwangerschaft auf die DNA des Kindes auswirkt. Ergebnis: die DNA-Methylierung des Kindes wird vor der Geburt in den fötalen Keimzellen erheblich verändert. Das führt zu veränderter DNA-Methylierung später in den Enkelkindern. Dies ist der erste Nachweis, dass eine Umweltbelastung bei schwangeren Müttern einen epigenetischen Effekt auf das DNA-Methylierungsmuster bei den Enkelkindern haben kann.

  • Aus Wikipedia:

    Bei der DNA-Methylierung handelt es sich um eine chemische Abänderung an Grundbausteinen der Erbsubstanz einer Zelle. Diese Abänderung wird durch die Übertragung von Methylgruppen durch Enzyme (DNA-Methyltransferasen) auf Nukleobasen an bestimmten Stellen der DNA bewirkt. Da das Grundgerüst der jeweiligen Nukleobase dabei erhalten bleibt, ist die DNA-Methylierung keine genetische Mutation, sondern eine Modifikation.
    DNA-Methylierungen kommen in sehr vielen verschiedenen – möglicherweise in allen – Lebewesen vor und haben verschiedene biologische Funktionen. Die Abfolge der DNA-Methylierung kann sich an dem entsprechenden Muster der Mutterzelle orientieren und ist dann Teil des epigenetischen Codes einer Zelle. DNA-Methylierung ist die wichtigste epigenetische Veränderung.
    Da fehlerhafte DNA-Methylierungen auf Zellebene reduzierte oder erhöhte Genaktivität bedingen und diese Aktivitätsveränderungen meist stabil an Tochterzellen vererbt werden, sind sie auf Organismenebene häufig auch Ursache für Krankheiten. So weisen z.B. Tumorzellen oft Methylierungsmuster auf, die von denjenigen gesunder Gewebe signifikant abweichen.

 

3.3 Neurotoxizität

Blei hat eine besonders intensive Wirkung im Nervensystem, besonders im zentralen Nervensystem (Gehirn und Rückenmark).

  • Blei stört die Produktion von Neurotransmittern.
  • Blei blockiert im Plexus choroideus die Synthese von Transthyretin und dadurch den Transport des Schilddrüsenhormons T4 in den Liquor.
  • Blei erhöht die Durchlässigkeit der Blut-Liquor-Schranke für Gifte, auch für Quecksilber, Gold und Silber.
  • Blei blockiert die Funktion der NMDA-Rezeptoren und die Glutamat-abhängige Signalweiterleitung und schädigt dadurch das Gedächtnis, blockiert die Bildung neuer neuronaler (synaptischer) Verbindungen und führt schließlich zum Absterben von Neuronen.
  • Blei beeinflusst den Calcium-Stoffwechsel und greift in calciumgesteuerte Prozesse ein. Blei kann einerseits die intrazellulären Calcium-Konzentrationen erhöhen, kann andererseits Calcium auch substituieren, da einige Calcium-bindende Proteine auch Blei binden. (aus: Molekulare Pharmakologie und Toxikologie: Biologische Grundlagen von Arzneimitteln und Giften von Thomas Efferth)
  • Blei greift durch das Enzym Proteinkinase C (PKC) in die calciumgesteuerten Signal-Tranduktionswege ein. Durch eine Übertragung von Phosphat auf Serin- oder Threoningruppen steuert die PKC die Aktivität nachgeordneter Enzyme. Auf Grund dieser regulatorischen Funktion besitzt die Proteinkinase C eine zentrale Rolle bei der zellulären Signalweiterleitung (Signaltransduktion). Calciumionen (Ca2+), Phospholipide und Diacylglycerin sind für die Aktivität der PKC nötig.
  • Neurologische Symptome:
    • neurologisch: Koma, Krämpfe, Lähmungen, Taubheit und Kribbeln in den Extremitäten, Kopfschmerzen, Gedächtnisverlust, Verschlechterung der mentalen Leistungsfähigkeit,
    • psychologisch/psychiatrisch: Schizophrenie, Epilepsie, Depression, Erschöpfung, Schlafprobleme, irreversible Intelligenzdefizite, Beeinträchtigung der kognitiven Funktionen, psychomotorische Störungen, Angststörungen, Verhaltensstörungen, Selbstmordneigung, Panikattacken, verkürzte Aufmerksam­keitsspanne und Hyperaktivität (ADHS),
    • Psychosozial: affektive Gemütsstörungen, Unfähigkeit zu sozialen Bindungen; erhöhte Bereitschaft zu Gewalttätigkeit und Kriminalität.
    • Blei macht dumm.

    Blei ist besonders gefährlich für das sich entwickelnde Nervensystem im Kind. Es ist aber praktisch unmöglich, im Einzelfall die Intelligenz- und Verhaltensdefizite, die sich aus der Bleibelastung ergeben, auf Blei als Ursache zurückzuführen.

Studien und andere Beiträge:

 

3.4 Asoziales Verhalten und Gewalttätigkeit

Blei im Gehirn erhöht die Neigung zu psychosozialen Störungen, asozialem Verhalten und Gewalttätigkeit.

 

3.5 Herz-Kreislauf, Leber

Blei erhöht das Risiko für Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems:
Verschlechterung der Cholesterin-Werte, Erhöhung des Blutdrucks; kardiovaskuläre und ischämische Herzkrankheiten , Schlaganfall. Das Cholesterin-Problem, Ausgangspunkt weiterer Erkrankungen, wird in der Schulmedizin mit Statinen behandelt. Damit ändert sich an der Ursache (Blei) natürlich absolut nichts.

 

4. Therapie

Wirksamste Entgiftungsmethode bieten die Chelatbildner. Leider entstehen in manchen Fällen, vor allem bei schlechter Vorbereitung des Patienten, durch die zusätzliche, akute Schwermetallvergiftung weitere Gesundheitsschäden. Vor der Chelat-Therapie müssen unbedingt ggf. vorhandene Defizite an Vitalstoffen (Vitamine und Mineralien) ausgeglichen werden.

  • Ausleitung von Schwermetallen
  • Franziska P. Busse, Georg Martin Fiedler, Alexander Leichtle, Helmut Hentschel, Michael Stumvoll:
    "Bleiintoxikation durch gestrecktes Marihuana in Leipzig" (2009)
    Marihuana und andere Drogen werden vermutlich deshalb mit Blei gestreckt, weil sich durch das hohe spezifische Gewicht von Blei der Verkaufspreis in die Höhe treiben lässt. Die Herkunft des Bleis ist unbekannt.

    Diskussion:

    • Muttray, Axel: Indikation für Chelattherapie kritisch stellen
      Der Professor und Arbeitsmediziner lehnt die Chelattherapie bei Bleivergiftung ab und betrachtet das als Körperverletzung. Er nennt allerdings keine andere Therapieoption.
    • Letzel, Stephan: Falsch zitiert
      Der Arbeitsmediziner lehnt eine Chelattherapie wegen ernsthafter Nebenwirkungen auch bei hoher Bleikonzentration im Blut ab.
    • Drexler, Hans: Wegweisend für eine Intoxikation
      Auch im 21. Jahrhundert werden an deutschen Arbeitsplätzen noch Bleikonzentrationen bis über 700 µg/L Vollblut gemessen, ohne dass die Exponierten Symptome einer klinisch manifesten Vergiftung aufwiesen. Drexler merkt ‒ trotz seiner Beobachtung ‒ nicht, dass die Bleikonzentration im Blut nicht geeignet ist, das Ausmaß der Vergiftung zu bestimmen.
    • Hentschel, Helmut: Schlusswort
      Einer der Autoren des ursprünglichen Artikels verteidigt die Behandlung der Patienten mit dem Chelatbildner Succimer (DMSA).

    Die Arbeitsmediziner haben eine seltsame, widersprüchliche Position: einerseits halten sie fälschlicherweise daran fest, dass man das Ausmaß der Bleivergiftung an der Bleikonzentration im Blut erkennen könne, aber andererseits behaupten sie, dass eine Entgiftungstherapie auch bei hohen Werten nicht indiziert sei. Ergebnis: eine behandlungsbedürftige Bleivergiftung gibt es nach Meinung der Arbeitsmediziner gar nicht.

    Joachim Mutter: Leserbrief zur Diskussion
    Der Umweltmediziner weist darauf hin, dass durch erhöhte Bleiwerte das Risiko für Krankheiten wie Krebs, Herzinfarkt und Schlaganfall deutlich ansteigt. Deshalb ist die Blei-Entgiftung, z.B. mit Chelatbildnern, gerechtfer­tigt und notwendig, obwohl sie von den Arbeitsmedizinern abgelehnt wird.

  • S. Porru and L. Alessio:
    The use of chelating agents in occupational lead poisoning (1996)

    Es werden Chelatbildner für die Blei-Entgiftung betrachtet: Dimercaprol (= BAL), Penicillamin, CaNa2EDTA und DMSA. CaNa2EDTA ist wohl der zuverlässigste und sicherste Chelatbildner.

 

5. Werte, Grenzwert

Es gibt keinen sichereren Expositions-Schwellenwert, unter dem Schäden des zentralen Nervensystems ausgeschlossen sind. Es gibt keine unbedenkliche Aufnahmemenge. Die Messung der Bleikonzentration im Blut ist nicht geeignet, um die neurotoxischen Wirkungen von Blei zu bewerten.

  • Bleihaltiger Schmuck: max. 0,05 Gewichts-Prozent;
  • Trinkwasser: 10 µg/l (seit 2013). Obwohl der Grenzwert in den vergangenen Jahrzehnten abgesenkt wurde, halten Umweltmediziner diesen Wert für immer noch zu hoch.
  • Sogar bei einer Blutkonzentration von unter 250 µg Blei je Liter Blut besteht das Risiko für reduzierte kognitive Funktionen bei Kindern. In den USA wurde der Grenzwert auf 150 µg pro Liter gesetzt. Aber schon Werte unterhalb 50 µg Blei je Liter Blut sind ein erhebliches Gesundheits- und Lebensrisiko. Es gibt keinen sicheren Grenzwert für Blei im Blut.

Studien und weitere Beiträge

 

6. Aufnahme und Ausscheidung

  • Blei kann eingeatmet (Bleistaub) oder über die Haut aufgenommen werden. Das meiste Blei endet in den Knochen.
  • Verhängsnisvoll ist die Kombination von Quecksilber und Blei: beide zusammen sind um ein Vielfaches giftiger als Blei oder Quecksilber alleine.
  • Die Aufnahme von Blei in den Körper, die Absorption, wird reduziert durch Vitamin C, Calcium (Ca), Eisen und, in geringerem Maß, durch Zink und Phosphor. Da Ca durch Blei ersetzt wird, empfiehlt sich im Rahmen einer Entgiftungstherapie eine gute Ca-Versorgung.
  • Die Ausscheidung von Blei wird durch Chlorella-Algen, durch Knoblauch (und vermutlich jedes schwefelhaltige Gemüse), durch modifiziertes Citruspektin, durch die Vitamine C, E, B1, B9 (Folsäure) zusammen mit Vitamin B12, vermutlich auch durch Vitamin B6 gesteigert. Als Chelatbildner ist DMSA geeignet.

Studien und weitere Beiträge

 

7. Gesundheitspolitik und wirtschaftliche Bedeutung

Blei wird weltweit als viertgrößtes umweltbedingtes Gesundheitsrisiko eingestuft, nach (1) Luftverschmutzung durch Feinstaub, (2) Haushaltsluftverschmutzung durch feste Brennstoffe und (3) unsauberem Trinkwasser, sanitären Einrichtungen und Händewaschen.

Die Belastung mit Blei, besonders der Kinder, bedeutet nicht nur großes Leid, geringere Lebenschancen und weniger Intelligenz für die Betroffenen, sondern führt auch zu erheblichen volkswirtschaftlichen Verlusten. Jährlich wird mit weltweit 600.000 neuen Fällen geistiger Behinderung von Kindern durch Bleivergiftung gerechnet, die meisten in den Entwicklungsländern.

Der ökonomische Schaden ist erheblich und vor allem in den Entwicklungsländern, u.a. in Afrika, deutlich spürbar: ein Schaden von rund 6,9 % des Bruttoinlandsprodukts wurde errechnet.

 


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