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Hormonstörende Stoffe

Hormonstörende Stoffe - auch Hormongifte, endokrine Disruptoren, englisch Endocrine Disrupting Chemicals (EDC) genannt - sind giftig, denn sie greifen in das Hormonsystem des Menschen ein und schädigen Stoffwechsel-, Entwicklungs- und Fortpflanzungsprozesse.

 

1. Was sind Hormone?

Hormone sind biochemische Botenstoffe, die von speziellen Zellen produziert werden und an anderen Zellen besondere Wirkungen oder Regulationsfunktionen entfalten. Das geschieht dadurch, dass die Hormone an Rezeptoren der Ziel-Zellen andocken und dadurch die biochemischen Vorgänge innerhalb der Zelle beeinflussen und verändern.

Hormone wirken auf alle Systeme des Körpers ein, z.B. das Nerven- und das Immunsystem, und beeinflussen die Antwort des Körpers auf Stress oder Verletzung. Die Bildung von Hormonen wird beeinflusst

  • durch Regelkreise (s. Beispiel im Bild unten),
  • durch das autonome Nervensystem oder
  • durch nichthormonelle Botenstoffe, z.B. Kalzium oder Glukose.
hier sollte in einem Bild gezeigt werden, wie Hormone in einem Regelkreis produziert werden Quelle: Wikipedia

Beispiele für Hormone: Adrenalin, Cortison, Östrogen, Progesteron, Ghrelin, Leptin, Wachstumshormone, Insulin, Melatonin, Testosteron. Die Lehre von den Hormonen wird als Endokrinologie bezeichnet.

Anhand ihrer Wirkungsschwerpunkte werden Hormone von Zytokinen und von Neurotransmittern abgegrenzt. Zytokine regulieren Wachstum, Proliferation und Differenzierung von Zellen. Neurotransmitter werden von Nervenzellen über den synaptischen Spalt abgegeben, um Signale von einer Nervenzelle zur nächsten zu übertragen.

 

2. Was sind Hormonstörer?

Hormonstörer, auch endokrine Disruptoren genannt, sind normalerweise Chemikalien, die die Funktion oder Wirkung von Hormonen stören (schädigen). Störung der Hormone bedeutet:

  • die Hormonproduktion des Körpers wird verändert und die Hormon-Werte sind deshalb zu hoch oder zu niedrig,
  • die körpereigenen Hormone stehen nicht in ausreichender Menge für biologische Prozesse zur Verfügung;
  • die hormon-ähnlichen Chemikalien docken an Hormon-Rezeptoren an; dadurch werden die körpereigenen Hormone blockiert oder nachgeahmt;
  • die hormonelle Funktion geht verloren;
  • die hormonellen Veränderungen treten ggf. ab Geburt ein und können bis zum Lebensende wirksam sein.

Weitere Informationen zu Hormonstörern

 

3. Toxikologie

Obwohl schon viele Chemikalien als krebserregend oder als hormonschädigend identifiziert wurden, bleiben viele weitere Gifte in der Umwelt. Eine Bedrohung für die Gesundheit der Menschen besteht, wenn sie täglich aufgenommen oder im menschlichen Körper als Speichergifte dauerhaft erhalten bleiben und nicht abgebaut werden. Generell gibt es in der Schulmedizin keine Diagnostik, um Umweltgifte als Ursache einer Krankheit zu erkennen, geschweige denn Therapien zur Heilung von solchen Krankheiten. Wichtig wäre die Vorsorge; leider ist ärztliches Wissen dazu kaum vorhanden.

In der klassischen Toxikologie glaubt man an einen linearen Zusammenhang zwischen Gift-Dosis und Gift-Wirkung. Bei der Beschäftigung mit Umweltgiften wird allerdings immer häufiger eine Nichtlinearität festgestellt, normalerweise mit dem Zusatz, dass dies noch genauer zu erforschen sei. Hormonstörer wirken selbstverständlich nichtlinear: wenn alle Rezeptoren an den Zellen besetzt sind, dann ist eine Steigerung der hormonellen Wirkung nicht mehr möglich. Allerdings können dann noch weitere toxische Effekte entstehen.

Häufig wird ein Summationseffekt (oder Coctail-Effekt) beobachtet: beim Einwirken mehrerer Hormonstörer (das ist der Normalfall) tritt die gesundheitsschädliche Wirkung ein, auch wenn der einzelne Hormonstörer unterhalb seiner Wirkungsschwelle und Grenzwerte bleibt.

Wichtig für die Giftwirkung ist auch der Zeitpunkt der Gifteinwirkung. Besonders kritisch ist die Entwicklungsphase des Menschen, also der Zeitraum von vor/nach der Geburt bis zum Ende der Kindheit.

Auch bei Stoffwechselstörungen können Hormonstörer beteiligt sein.

 

4. Öffentliches Gesundheitswesen

4.1 Fehlendes Wissen

Gemessen an der Vielfalt der möglichen gesundheitlichen Schäden fehlt es in der Medizin an Wissen, was sich teilweise durch Ignoranz gegenüber dem Stand der Wissenschaft erklären lässt:

  • Die Dosis-Wirkungs-Beziehungen und ihre Nichtlinearität werden zu wenig untersucht und kaum verstanden.
  • Die gebräuchlichen Chemikalien werden nicht systematisch auf hormonstörende Effekte untersucht.
  • Es gibt es kaum diagnostische Methoden, um bei einem gesundheitlichen Schaden die hormonelle Fehlfunktion und den Hormonstörer als Ursache zu ermitteln. Die Ursache gesundheitlicher Schäden, die durch Chemikalien vor (in der Gebärmutter, pränatal) oder nach der Geburt (postnatal) entstehen, wird allenfalls in der Wissenschaft, nicht in der Schulmedizin untersucht.
  • Es gibt keine therapeutische Methode, die auf die Ursache, den Hormonstörer, zielt. Es gibt also keine Methode, um den Körper von Hormonstörern zu entgiften oder die Gift-Aufnahme zu verringern.
  • Die naturwissenschaftliche Untersuchung der Giftwirkung kann nur an menschlichen Zellen (in vitro, im Labor) oder an lebenden Tieren, aus ethischen Gründen jedoch nicht an Menschen durchgeführt werden. Die ethische Rechtfertigung für Tierversuche wird zunehmend bezweifelt.
  • Wurde die Hormonstörung nur in vitro oder im Tierversuch gefunden, aber für den Menschen nicht statistisch nachgewiesen, dann gilt die gesundheitliche Gefahr als nur theoretisch, wird also von Gesundheitsbehörden und Gift-Herstellern ignoriert. Die Übertragbarkeit der naturwissenschaftlichen Erkenntnisse auf den Menschen wird bezweifelt.

Trotz des fehlenden Wissens und wegen der Ignoranz gegenüber vorhandenem Wissen werden die hormonstörenden Chemikalien massenhaft eingesetzt.

 

4.2 Gesundheitspolitik

Der bedenkenlose Einsatz hormonstörender Substanzen verursacht in der EU - neben dem menschlichen Leid - einen ökonomischen Schaden von jährlich hunderten Milliarden Euro.

Leider stehen deutsche und EU-Regulierungsbehörden unter starkem Einfluss der Gift-Produzenten, so dass eher mit einer Verschlimmerung der Situation zu rechnen ist. Mühelos beeinflussen (d.h. kaufen) die Gift-Produzenten mit ihren hohen Gewinnen Wissenschaftler, deren Studien und die Veröffentlichung in wissenschaftlichen Zeitschriften, Gesundheitsbehörden und politische Entscheider und damit alle wissenschaftlichen und politischen Entscheidungsprozesse.

Sobald den Entscheidern in Politik und Regulierungsbehörden in einer wissenschaftlichen Studie die hohen Gefahren der hormonstörenden Stoffe aufgezeigt werden, wird von der Gegenseite, der giftproduzierenden Industrie, eine Gegenstudie präsentiert mit dem Ziel, eine für die Industrie nachteilige Entscheidung um Jahre hinauszuschieben oder endgültig zu verhindern; Beispiel: Glyphosat, Report gekaufte Wissenschaft.

Die Zulassung von Umweltgiften beruht auf Studien, die geheim sind und nicht veröffentlicht werden müssen. Die wissenschaftliche Öffentlichkeit kann nicht beurteilen, ob der Hersteller die Daten korrekt ausgewertet hat und darstellt und ob die Zulassung zu Recht erfolgt. Die Zulassungsbehörden verlassen sich generell ohne nähere Prüfung auf die Korrektheit der Daten. Die Politik hat dieses System geschaffen: dass Studien geheim gehalten werden dürfen und es dadurch möglich ist, über Jahrzehnte hinweg faule, falsch ausgewertete Studien im Umlauf zu halten, die immer wieder als Beweis dafür herangezogen werden, dass ein Stoff ungefährlich ist. (aus dem Bericht über den Chemiker Helmut Burtscher und sein Buch Die Akte Glyphosat: 'Es ist wissenschaftlicher Betrug', 8.2017)

Studien und weitere Informationen

  • Leonardo Trasande, Yinghua Liu:
    Reducing the staggering costs of environmental disease in children, estimated at $76.6 billion in 2008, auch hier (5.2011)

    In dieser Studie werden die Kosten wegen umweltbedingter Krankheiten bei US-Kindern berechnet. Eine Analyse aus dem Jahr 2002 hatte 54,9 Milliarden US-$ genannt. Jetzt werden 76,6 Milliarden US-$ für das Jahr 2008 errechnet. Es geht um Krebs im Kindesalter, Asthma, geistige Behinderung, Autismus, Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, auch um Fettleibigkeit durch Hormonstörer. Besonders hohe Gesundheitsschäden entstehen durch Bleivergiftungen (aus bleihaltigen Farben) und durch vorgeburtliche Giftbelastung mit Methylquecksilber (aus Kohlekraftwerken). Es gibt zu wenige politische Maßnahmen, um diesen Zustand zu verbessern.

  • Emily S Bartlett, Leonardo Trasande:
    Economic impacts of environmentally attributable childhood health outcomes in the European Union (2.2014)

    Industriechemikalien verursachen Kinderkrankheiten. Die damit verbundenen hohen Kosten, verursacht durch Blei und Methylquecksilber, werden hier erstmals für die EU berechnet. Die Kosten für Entwicklungsstörungen, Asthma und Krebs betrugen im Jahr 2008 rund 71 Milliarden US-Dollar oder 0,48 % des Bruttoinlandsprodukts.

  • Leonardo Trasande, R Thomas Zoeller, Ulla Hass, Andreas Kortenkamp, Philippe Grandjean, John Peterson Myers, Joseph DiGangi, Martine Bellanger, Russ Hauser, Juliette Legler, Niels E Skakkebaek, Jerrold J Heindel:
    Estimating burden and disease costs of exposure to endocrine-disrupting chemicals in the European union, auch hier (4.2015).

    Die Belastung durch hormonstörende Substanzen verursacht in der EU lebenslang Krankheiten und hunderte Milliarden Euro Kosten pro Jahr. Dabei wurden nur die schlimmsten Hormonstörer berücksichtigt; eine gründlichere Analyse hätte zu mehr Krankheiten und höheren Kosten geführt.

  • Michele A La Merrille: The economic legacy of endocrine-disrupting chemicals (10.2016)

    Die Belastung durch hormonstörende Substanzen verursacht in den USA Kosten von jährlich 310 Milliarden Euro oder 2 % des Bruttosozialprodukts.

  • Christopher D Kassotis, Laura N Vandenberg, Barbara A Demeneix, Miquel Porta, Remy Slama, and Leonardo Trasande:
    Endocrine-disrupting chemicals: economic, regulatory, and policy implications (19.8.2020)

    Hier werden wirtschaftliche, regulatorische und politische Ansätze zur Begrenzung von Hormonstörern untersucht und mögliche Verbesserungen beschrieben. Notwendig wäre eine klare übergreifende Definition von Hormonstörern und wirksame Testanforderungen vor ihrer Zulassung. Wichtig wäre eine Institution ähnlich der Internationalen Krebsagentur (IARC), um die Wirkung der Hormonstörer auf die menschliche Gesundheit zu untersuchen und dadurch Einfluss auf die Regulierung zu nehmen.

  • Spiegel Online: Arzneimittelreste in Flüssen und Seen - wichtige Daten werden geheim gehalten (16.2.2023)

    Aus dem Beitrag:
    Bei Arzneimitteln hingegen müssen Hersteller bisher nur bei den Zulassungsbehörden Daten einreichen und können sich zudem auf umfangreiche Ausnahmen berufen, sodass in der Praxis oftmals gar keine Daten vorgelegt werden, wie Teppe erklärt.
    Von den Zulassungsbehörden dürften die Daten zudem nicht an Umweltbehörden oder die Fachöffentlichkeit weitergegeben werden. Selbst bei gezielter Anfrage einer Gewässerüberwachungsbehörde könnten Hersteller unter Verweis auf Geschäfts- und Betriebsgeheimnisse Teile oder gar das vollständige Umweltdossier als geheimhaltungsbedürftig einstufen.

  • CCRM Fertility (USA)

    Gesundheitsschäden bei der Fruchtbarkeit von Frauen und Männern ermöglichen dem Unternehmen ein lukratives Geschäftsmodell: die Schäden werden diagnostiziert und wenn möglich kompensiert. Da die Diagnostik nur den Schaden feststellt, aber nicht Ursache und Urheber benennen kann, müssen die Geschädigten die finanziellen Folgen des Schadens selbst tragen. Zudem gehen die Eltern in spe hohe Risiken für die Gesundheit ihrer Nachkommen ein, damit der Kinderwunsch erfüllt wird.

  • Siehe auch Korruption in der Medizin
    Es geht bei der Giftbelastung nicht nur um hohe, vermeidbare Kosten für die Allgemeinheit, sondern auch um die hohen Gewinne der Gift-Produzenten, -händler und -nutzer.

 

5. Die gefährlichsten Hormonstörer

5.1 Pestizide, Insektizide, Herbizide

Pestizide, Insektizide und Herbizide werden vorwiegend in der Landwirtschaft eingesetzt und dort euphemistisch als Pflanzenschutzmittel bezeichnet: Nutzpflanzen werden geschützt, alles andere ‒ Unkraut, Pilze, Insekten und andere Schädlinge ‒ wird abgetötet. In ärmeren Ländern bzw. Entwicklungsländern, also Ländern mit weniger Umweltschutz und weniger Kontrolle, werden deutlich mehr Gifte eingesetzt als in den reichen Ländern, die ihre Bevölkerung und die Landschaft besser schützen wollen und für die notwendigen Kontrollen über Personal und Wissen verfügen. Besonders hoch ist der Gifteinsatz weltweit beim Baumwollanbau. In der Bio-Landwirtschaft ist Gifteinsatz nicht erlaubt.

 

5.1.1 DEET, Organophosphate

Organophosphate schädigen das Nervensystem von Insekten und werden deshalb für die Insekten-Bekämpfung ‒ als Insektizide ‒ eingesetzt. Leider werden auch das Nervensystem und die Fruchtbarkeit (Spermienzahl) des Menschen geschädigt.

  • DEET

    DEET (Diethyltoluamid bzw. N,N-Diethyl-3-Methylbenzamid, C12H17NO) ist ein chemisches Insektenabwehrmittel, das in vielen Mückenschutzmitteln, z.B. in einigen Autan® - Produkten, verwendet wird.

    Biologische Wirkung
    Lange war der Wirkmechanismus dieses Gifts unbekannt. DEET blockiert, ähnlich wie Organophosphate (s.u.), die Acetylcholinesterase, ein Enzym, das in den Nervenzellen des zentralen Nervensystems aktiv ist. Das Enzym kann den Neurotransmitter Acetylcholin, der einen Erregungszustand signalisiert, blitzschnell neutralisieren. Die Blockade durch DEET ist reversibel, kann also wieder beendet werden.

    Steht das Enzym Acetylcholinesterase wegen der Blockade nicht zur Verfügung, dann kann der Erregungszustand nicht beendet werden und es kommt zur Dauererregung der Nervenzellen; Reizweiterleitung und Informationsverarbeitung werden eingeschränkt oder ganz verhindert. Die Wirkung tritt in Insekten, Säugetieren und auch im Menschen ein.

    DEET dringt noch intensiver durch die Haut in den Körper ein, wenn Sie auch Sonnenschutzmittel auftragen, die Oxybenzon enthalten.

    Symptome
    Acetylcholinesterase-Hemmer - DEET, Organophosphate und Carbamate - wirken synergistisch, d.h. sie verstärken sich gegenseitig. Bei längerer Anwendung führen sie zu Kopfschmerzen, Schwindel, Wahrnehmungsproblemen, Gehirnschäden, Gedächtnisverlust, Zittern, verwaschener Sprache, Muskelschwäche, Krampfanfällen und Problemen beim Gehen.

    Hinweis: Neonicotinoide greifen ebenfalls schädigend in die Acetylcholin-Prozesse ein.

    Studien und weitere Informationen zu DEET

    Alternativen zur Insekten-Abwehr mit DEET:

    • Moskitos vergraulen
      Düfte von einigen pflanzlichen Ölen oder Kräutern vergraulen die Insekten:

      Kokosöl

      Zitrone-Eukalyptus, Zitronengras, Ringelblume/Calendula, Zedernholz, Geranien, Neem, Thymian oder Nelken, Katzenminze (Katzenmelisse), Weihrauch, Lavendel, Minze oder Basilikum.
    • Bild einer Stechmücke Gelbfiebermücke
      Quelle: Wikipedia
    • Moskitos in eine Falle locken
      Moskitos werden von Kohlendioxid angezogen, das Menschen ausatmen:
      • eine Moskitofalle: Hefe in Zuckerwasser erzeugt Kohlendioxid (CO2); davon werden Mücken angezogen.
      • Knoblauch und Vanille überdecken Kohlendioxid.
    • Fraglich: der chemische Wirkstoff Icaridin (oder Picaridin, Hepidanin, Bayrepel, chemischer Name: Hydroxy-isobutyl-piperidin-carboxylat) gilt als DEET-Nachfolger. Allerdings wurde dieses Gift noch nicht so gründlich erforscht wie DEET.

    Weitere Informationen und Studien zu alternativen Mücken-Abwehrmitteln

  • Organophosphate [3]
    • Organophosphate sind Ester der Phosphorsäure. Sie werden als Insektizide und Herbizide auf Obst und Gemüse gesprüht: Weizen, Mais, Sellerie, Paprika, Spinat, Kopfsalat, Gurken, Kartoffeln, Äpfel, Pfirsiche, Erdbeeren, Weintrauben und Blaubeeren. Bei Bio-Produkten sind sie nicht erlaubt.
    • Organophosphate blockieren irreversibel das Enzym Acetylcholinesterase, das in den Nervenzellen des zentralen Nervensystems aktiv ist. Das Enzym ist in der Lage, den Neurotransmitter Acetylcholin, der einen Erregungszustand signalisiert, blitzschnell zu neutralisieren (s. oben DEET). Die Organophosphate führen zu einer Hemmung des Enzyms Acetylcholinesterase durch kovalente Bindung an das aktive Zentrum.
    • Folgende 5 Organophosphate sind krebserregend: das Herbizid Glyphosat und die Insektizide Malathion, Diazinon, Tetrachlorvinphos und Parathion. Chlorpyrifos (s.u.) wirkt zudem besonders neurotoxisch für die Entwicklung des kindlichen Gehirns vor und nach der Geburt.

    Weitere Informationen und Studien zu Chlorpyrifos

    Chlorpyrifos wird in der EU in Landwirtschaft und Haushalt als Pestizid und Insektizid eingesetzt. In Deutschland ist der Verkauf Chlorpyrifos-haltiger Pestizide seit 2009 nicht mehr zugelassen. Es wird dennoch oft in Obst und Gemüse gefunden. Es ist ein Organophosphat, neurotoxisch und es schädigt während der Schwangerschaft die Entwicklung des kindlichen Gehirns. Als chronische Wirkung verursacht es ein parkinson-ähnliches Zittern.

Studien und weitere Informationen zu DEET und Organophosphaten

 

5.1.2 Pyrethroide

Allgemeines
Pyrethroide sind synthetische, lipophile (fettlösliche) Insektizide. Sie werden in Wohnungen (z.B. in Teppichen, zur Imprägnierung von Malaria-Netzen und gegen Läuse), an Haustieren (z.B. gegen Hundeflöhe) und im Freien (als Pestizide und Holzschutzmittel) eingesetzt.

Biologische Wirkung
Pyrethroide, z.B. Allethrin, Cypermethrin und Permethrin, sind Kontaktgifte, die die spannungsabhängigen Natriumkanäle in den Nervenmembranen irreversibel blockieren, so dass sie vom offenen Zustand aus nicht wieder geschlossen werden können. Na+-Ionen strömen ungehindert in das Zellinnere und es kommt zu unkontrollierbaren Nervenimpulsen. Dies führt zunächst zu Erregungszuständen mit Krämpfen, dann zu Koordinationsstörungen und schließlich zu einer spastischen Lähmung (Paralyse). Der immobilisierende Effekt (knockdown) tritt noch vor dem Tod des Insekts ein. Pyrethroide wirken in der Regel sehr schnell gegen fast alle Insekten.

Giftbelastung
Pyrethroide finden sich als Rückstände in Milch, Babynahrung und Gemüse. Vom Menschen werden sie vorwiegend durch Atmung aufgenommen und im Fettgewebe gespeichert. Bei Einwirkung von UV-Strahlung bzw. Sonnenlicht wird das Gift abgebaut.

Wirkstoffe, Produkte
Permethrin (Biomist®), Resmethrin (Scourge®), Sumithrin (Anvil®) und Deltamethrin.

Wirkungen und Symptome am Menschen

  • Nervensystem: Es gibt Hinweise aus Tierversuchen, dass Pyrethroide bei wiederholter Exposition zu einem Absterben der Neuronen führen. Symptome: Ataxie, erhöhte Erregbarkeit, unwillkürliche Bewegungen, Speichelfluss, Tremor, Krämpfe.
  • Hormonsystem: Schädigung der männlichen Sexualentwicklung mit der Folge von vorzeitiger Pubertät; Blockade von Schilddrüsenhormonen. In hohen Konzentrationen können Pyrethroide wie Östrogene wirken.
  • Immunsystem: Permethrin ist carcinogen und verursacht Krebs.

Nachweis:
Kurz nach der Belastung kann dies im Urin über das Stoffwechselprodukt 3-Phenoxy-benzoesäure (3-PBA) nachgewiesen werden.

Weitere Informationen zu Pyrethroiden

 

5.1.3 Atrazin

Atrazin, ein Pflanzengift, verwandelt männliche Frösche in weibliche bzw. in Zwitter. Es verändert die Hormon-Produktion: es steigert die Produktion des Stresshormons Cortisol, schädigt die Prostata, senkt die Testosteron-Produktion, stimuliert die Östrogen-Produktion und begünstigt dadurch Brustkrebs. Das Gift ist seit 1959 im Einsatz, in der EU-Landwirtschaft verboten, aber in USA und vielen anderen Ländern erlaubt.

 

5.1.4 Paraquat

Paraquat ist eines der giftigsten Herbizide (Pflanzengifte), das zu vielen Gesundheitsschäden und Todesfällen unter Arbeitern und Bauern geführt hat - schon ein Schluck kann tödlich sein; der Kontakt mit der Haut oder das Einatmen kann zu Krampfanfällen, Herzversagen und Lungenvernarbung führen. In der EU und in der Schweiz ist es daher seit 2007 verboten; importierte Lebensmittel, auch angeblich besonders gesunde (z.B. Chia-Samen), werden leider nicht auf Paraquat getestet. Der chinesisch-schweizerische Agro-Konzern Syngenta verkauft das Pestizid weiterhin in vielen Ländern. Gesundheitsschädigende Wirkungen:

  • Hormonstörung: Verringerung von Testosteron, des Follikel-stimulierenden Hormons, des luteinisierenden Hormons, von Prolaktin und von Schilddrüsenhormonen.
  • Neurotoxizität: Paraquat überwindet die Blut-Hirn-Schranke, verursacht chronische Schäden im zentralen Nervensystem, Krampfanfälle und Parkinson. Dem Herstelller Syngenta war das ‒ entgegen öffentlichen Behauptungen ‒ seit den 1970er Jahren bekannt.
  • Paraquat schädigt die Haut und erleichtert dadurch das Eindringen des Gifts in den Körper; es schädigt die Lungen, die Augen, das Herz (Herzversagen), die Nieren, die Nebennieren, die Leber, Muskeln und die Milz und kann Multiorganversagen hervorrufen.

Studien und weitere Informationen

 

5.2 Hygiene, Körperpflege, Kosmetik

In Waschmitteln und Kosmetika spielen Konservierungs- und Desinfektionsstoffe eine wichtige Rolle und schaden der Gesundheit. Konservierungsstoffe sind in flüssigen Waschmitteln notwendig, nicht in festen Seifen und Shampoos. Natur-Kosmetik enthält generell weniger Konservierungsstoffe.

Siehe auch

 

5.2.1 Triphenylphosphat (TPHP)

Allgemeines
TPHP ist ein häufiger Bestandteil von Nagellack, auch als Ersatz für Phthalate, die wegen ihrer hormonschädigenden Wirkung nicht mehr verwendet werden. Aber auch TPHP ist ein Hormonstörer. Es wird auch bei der Plastikherstellung und als Flammschutzmittel verwendet.

Wirkung, Symptome
  • Schäden im Bereich der Fortpflanzung und der körperlichen Entwicklung vor und nach der Geburt;
  • Gewichtszunahme, Fettleibigkeit (Adipositas).

Diagnostik
Die Belastung durch TPHP wird gemessen über dessen Stoffwechselprodukt Diphenylphosphat (DPHP)

Weitere Informationen und Studien

 

5.2.2 Polysorbat 80

Allgemeines
Polysorbat 80 ist ein oberflächenaktiver und emulgierender Stoff. Er wird beispielsweise in industriell hergestellten Lebensmitteln, in Kosmetika und in vielen Arzneimitteln wie Nasensprays, Tabletten, Impfstoffen und anderen Injektionslösungen verwendet.

Wirkung, Symptome
Polysorbat 80 verursacht Entzündungen, Fettleibigkeit und das metabolische Syndrom, Colitis und schädigt die Darmflora (Tierversuch).

 

5.2.3 Östrogene

Östrogene sind die wichtigsten weiblichen Sexualhormone. Sie werden hauptsächlich in den Eierstöcken (Ovarien) produziert, während der Schwangerschaft auch in der Plazenta und vom Fetus. Auch Männer produzieren im Hoden kleine Mengen an Östrogenen.

Steroidale Östrogene, die in der Östrogenersatztherapie und in oralen Kontrazeptiva verwendet werden, wurden bereits 2002 in die Liste der Karzinogene aufgenommen. Östrogenersatztherapie erhöht bei Frauen in den Wechseljahren deutlich das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall, Demenz, Parkinson und Krebs, und zwar nicht nur in der Brust, sondern im gesamten Bereich der weiblichen Fortpflanzungsorgane.

Die krebserregenden Eigenschaften von Östrogen können teilweise dadurch erklärt werden, dass die Wasserspeicherung in den Zellen gesteigert wird. Deshalb neigen Frauen mit Östrogendominanz zu Ödemen (Wassereinlagerungen). Während der Follikelphase (erste Hälfte) des Menstruationszyklus regt Östrogen die Gebärmutterschleimhaut und die Vermehrung der Follikel an, um die Befruchtung einer Eizelle vorzubereiten. Ebenso schwillt das Brustgewebe während und nach der Schwangerschaft an und wird größer, um die Milchproduktion zu erleichtern.

Zellschwellung und Zellwucherung sind auch ein Kennzeichen von Krebs. Durch die Einnahme synthetischer Östrogene erhöht sich das Krebsrisiko. Jede Chemikalie mit östrogenen Eigenschaften ist eine ernsthafte Gefahr für die Gesundheit.

Progesteron, ein Gestagenmolekül, nährt den Embryo und wird vom Körper benötigt, um Fehlgeburten vorzubeugen. Es ist auch ein Antistress-Molekül und wirkt antiöstrogen.

Synthetische Östrogene (Xenoestrogene) und Progesterone sind in

  • der Pille zur Empfängnisverhütung,
  • Tampons und Damenbinden

enthalten. Die Xenoestrogene sind Chemikalien synthetischer oder natürlicher Herkunft, die entweder wie körpereigene Hormone (agonistisch) wirken oder deren Wirkung abschwächen (antagonistisch). Xenoestrogene wurden für das Absinken der Spermienzahl beim Menschen verantwortlich gemacht. Auch Reproduktions- und Entwicklungsstörungen, Brust- und Hodenkrebs sowie krankhafte Fettleibigkeit werden mit ihnen in Verbindung gebracht. (aus spektrum.de)

In Babynahrung aus Soja sind Östrogen-artige Bestandteile enthalten, die den Hormonhaushalt der Kinder ungünstig beeinflussen.

Wird eine Hormontherapie erwogen, etwa bei Frauen in und nach den Wechseljahren (Menopause), dann sollten Östrogene aus pflanzlicher Herkunft gegenüber synthetischen Östrogenen bevorzugt werden, da sie weniger Nebenwirkungen haben.

 

5.2.4 Sonnenschutzmittel

In Sonnenschutzmitteln werden häufig hormonstörende Stoffe mit östrogener Wirkung eingesetzt: Oxybenzon, Octinoxat, Homosalat, Octisalat, Octocrylen und Avobenzon und 4-Methylbenzylidencampher (4-MBC). Die Substanzen bleiben nicht auf der Haut, sondern werden resorbiert, wandern in den Körper und verbleiben dort für lange Zeit. Avobenzon wird in gechlortem Wasser zu toxischen und hormonschädigenden Substanzen zersetzt.

Schmieren Sie nichts auf die Haut, was so giftig ist, dass Sie es keinesfalls essen würden! Weniger giftige Sonnenschutzmittel arbeiten mit mineralischen Substanzen, die Titan- und Zinkverbindungen und möglichst keine Nanopartikel enthalten. Nanopartikel sind kleiner als 100 Nanometer (= 0,1 µm) und können tief in die Haut und den Blutkreislauf eindringen. Es besteht auch die Gefahr, dass die Nanopartikel eingeatmet werden und tief in die Lunge eindringen, falls es sich um einen Spray handelt.

Zweck der Sonnnenschutzmittel ist die Blockade von UV-Strahlen, damit sie nicht die Haut schädigen und kein Hautkrebs entsteht. Allerdings gibt es keinen Nachweis, dass durch die Anwendung von Sonnenschutzmitteln weniger Hautkrebs entsteht. Andererseits muss mit einer mehrfachen Schadenswirkung gerechnet werden: die Hormonschädigung, der Vitamin-D-Mangel und die Produktion von freien Radikalen in der oberen Hautschicht. Deshalb ist eher mit einer höheren Krankheitsneigung zu rechnen, auch mit mehr Hautkrebs.

  • MedicalNewsToday: What to know about the health benefits of sunlight

    Sonnenlicht hat einige wichtige Vorzüge, auf die Sie nicht verzichten sollten:

    • unterstützt gesunde Knochen,
    • reguliert den Kalziumspiegel,
    • reduziert Entzündungen ,
    • unterstützt das Immunsystem und den Glukosestoffwechsel,
    • unterstützt den Tag-Nacht-Rhythmus und den Schlaf durch Regulierung der Hormone Serotonin und Melatonin,
    • fördert das Wohlbefinden und verbessert die Stimmung,
    • stärkt das Immunsystem,
    • lindert Schmerzen,
    • fördert die Entspannung,
    • hilft Wunden heilen,
    • hilft den Menschen, sich wacher zu fühlen,
    • reduziert Depressionen,
    • Schutz vor Diabetes Typ 1,
    • Schutz vor Multiple Sklerose (MS),
    • Schutz vor verschiedenen Krebsarten, darunter Dickdarm-, Brust- und Prostatakrebs sowie dem Non-Hodgkin-Lymphom.

Die Haut kann vor dem zu starken Einfluss der Sonne mit Antioxidantien geschützt werden. Geeignet sind: die Vitamine C und E, Astaxanthin, Wassermelone, Tomaten, Guava, Blaubeeren, Karotten, Grünblatt-Gemüse (Spinat, Kopfsalat, Grünkohl), grüner Tee, schwefelreiches Gemüse (Brokkoli, Blumenkohl, Weißkohl), fetter Fisch (Lachs, Thunfisch, Hering), Nüsse und Samen.

Vitamin D wird im Körper auf natürliche Weise mit UV-Strahlung gebildet. Infos und Empfehlungen zu Vitamin D finden Sie hier.

Weitere Informationen und Studien zu Sonnenschutzmitteln

 

5.2.4.1 Oxybenzon (Benzophenone-3)

Viele Menschen haben Oxybenzon in ihrem Körper ‒ ein Hormonstörer, der eine verminderte Spermienzahl bei Männern und Endometriose bei Frauen verursacht.

 

5.2.4.2 Avobenzon
  • Wikipedia: Avobenzon
  • haut.de: Butyl Methoxydibenzoylmethane (Avobenzon)
  • Rachel Grumman Bender, Yahoo: Is the Popular Sunscreen Ingredient Avobenzone Harmful?

    Avobenzon ist ein Sonnenschutzmittel mit geringer Toxizität und deshalb besser geeignet als Oxybenzon. Aber es benötigt weitere Chemikalien, die auch im Sonnenschutzmittel enthalten sein müssen, und in gechlortem Wasser, in Verbindung mit UV-Strahlung, wird es gefährlich, weil es in aggressive Substanzen zerfällt.

 

5.2.4.3 Benzol

Benzol ist ein wasserfester Sonnenschutz, der schnell in die Haut einzieht und in der obersten Hautschicht einen chemischen Schutz gegen die auftreffende UV-Strahlung bildet.

Allerdings: Benzol ist krebserregend.

 

5.2.4.4 Hautschutz durch Antioxidantien

Die Haut kann von innen heraus vor UV-Schäden geschützt werden. Wissenschaftler haben mehrere natürliche Wirkstoffe identifiziert, die eine UV-schützende Wirkung haben und das Risiko für Sonnenbrand und damit verbundene Hautschäden verringern. Astaxanthin, Lycopin, Beta-Carotin, die Vitamine D und E sowie Epigallocatechingallat (EGCG) tragen nachweislich zum Schutz der Haut vor Sonnenschäden bei.

Astaxanthin trägt speziell zum Schutz vor dem UV-induzierten Zelltod bei. Im Gegensatz zu aktuellen Sonnenschutzmitteln blockiert Astaxanthin die UV-Strahlen nicht wirklich, d. h. es verhindert nicht die Umwandlung von UVB in Vitamin D in der Haut; es schützt die Haut lediglich vor Schäden. Lycopin (in Tomaten) wirkt ebenfalls als innerer Sonnenschutz, obwohl es nicht annähernd so schützend ist wie Astaxanthin. Eine Studie aus dem Jahr 2001 ergab, dass Tomatenmark hellhäutige Menschen schützt, die eher zu Verbrennungen als zur Bräunung neigen. Vitamin E absorbiert die Energie des UV-Lichts und spielt somit eine wichtige Rolle beim Lichtschutz, indem es UV-bedingte Schäden durch freie Radikale an der Haut verhindert.

 

5.2.5 Triclosan

Triclosan ist ein polychloriertes Phenoxyphenol. Wegen seiner desinfizierenden, bioziden Wirkung wird es in Medizin und Haushalt seit über 40 Jahren eingesetzt. Durch die Einwirkung von Sonnenstrahlung, Ozon, Chlor und Mikroorganismen entstehen Dioxine, die in Abwasser, Kläranlagen und Oberflächenwasser gelangen.

Giftbelastung
Triclosan wird eingesetzt

  • in höheren Konzentrationen als Desinfektionsmittel in Arzt-, Zahnarztpraxen und Kliniken,
  • zur Therapie der Neurodermitis,
  • in Kosmetika, Zahnpasta, Deodorants, Seifen, Haushaltsreinigern und Waschmitteln,
  • zur Präparierung von Textilien und Schuhen.

Wirkung, Symptome
Triclosan wird über die Haut resorbiert, im Fettgewebe angereichert und gelangt auch in das Nabelschnurblut von Schwangeren. Folgende Wirkungen wurden beobachtet:

  • Die Resistenz von Bakterien, die eigentlich abgetötet werden sollen, wird gegenüber Triclosan und gegenüber Antibiotika, etwa Chinolone, erhöht. Triclosan bewirkt also das Gegenteil dessen, was es eigentlich bewirken soll.
  • Bildung von Lebertumoren.
  • Triclosan schädigt weibliche (Östrogene) und männliche (Testosteron) Sexualhormone und vermindert die Fruchtbarkeit von Frauen.
  • Schwangerschaft: es entstehen Komplikationen in der Östrogenversorgung des Fötus und somit Schäden für das entstehende Kind und es kommt ggf. zu einer Fehlgeburt.
  • Schädigung der Darmflora und der Schilddrüse.
  • Schädigung von Muskeln, z.B. des Herzmuskels.

Empfehlung
Verwenden Sie keine Reinigungsmittel, Seifen und Kosmetika, die antibakterielle Stoffe oder Desinfektionsmittel enthalten! Bakterien sind nicht so schlimm, wie viele denken.

Weitere Informationen zu Triclosan

 

5.2.6 Parabene

Herkunft, Zweck
Parabene werden als Konservierungsstoff in Körperpflegeprodukten - Shampoos, Seifen, Hand-Desinfektionsmittel, Makeups, Lotionen, Rasur-Hilfsmittel und Gleitmittel - eingesetzt, um das Wachstum von Mikroben zu begrenzen. Propylparaben wird auch in Lebensmitteln eingesetzt. Wegen ihrer Giftigkeit sind Propylparaben und Butylparaben in Babyprodukten, die zur Hautpflege im Windelbereich, wie Wundschutzcremes, eingesetzt werden, seit 2015 verboten. Das Verbot gilt für alle Windel-Kosmetika für Kinder unter drei Jahren.

Einwirkung auf den Menschen
Parabene werden durch die Haut absorbiert und gelangen direkt in die Blutbahn, über die Nabelschnur auch zum Fötus.

Wirkung, Symptome
Viele Parabene besitzen eine östrogene Wirkung - das heißt sie wirken ähnlich wie weibliche Sexualhormone. Propyl- und Butylparaben haben zudem eine anti-androgene Wirkung: sie können die Wirkung des männlichen Sexualhormons Androgen hemmen. Einige Parabene können bereits in geringen Mengen das Fortpflanzungssystem schädigen.

Nachdem Parabene in Verruf geraten waren, wurden Ersatzstoffe gefunden, die leider Allergien verursachen können: Methylisothiazolinon (MI) und Phenoxyethanol.

Parabene stören wichtige Entwicklungsprozesse, die in ganz bestimmten Zeitfenstern des Wachstums ablaufen. Föten im Mutterleib, Kleinkinder und Pubertierende reagieren darauf besonders empfindlich. Parabene werden mit folgenden Gesundheitsproblemen in Verbindung gebracht:

  • Sexualität: verfrühte Pubertät bei Mädchen, Erkrankungen der weiblichen Geschlechtsorgane, Reduktion der Spermienzahl;
  • Immunsystem: Brustkrebs, Schilddrüsenkrebs,
  • Nervensystem: Störungen der Nervenentwicklung;
  • Stoffwechsel: Fettleibigkeit bei den Nachkommen Parabene-belasteter Mütter.

Empfehlung

  • Antibakterielle Zusätze in Körperpflegeprodukten sind generell überflüssig. Verwenden Sie Naturkosmetik bzw. Bio-Kosmetik, also Produkte auf pflanzlicher Basis ohne synthetische Gifte.
  • Mit Ingwer konnten in vitro schädliche Wirkungen der Parabene reduziert werden.
  • Vermeiden Sie auch Triclosan, Triclocarban (TCC), Phthalate (incl. Dibutylphthalat (DBP), Diethylhexylphthalat (DEHP)), Toluol (auch Methylbenzol), Xylol, Kampfer, Formaldehyd, Formaldehydharz, Ethyltosylamide, Triphenylphosphat, Kolophonium, halogenorganische Verbindungen, Silikon, Duftstoffe und Oxybenzon ‒ hormonstörende Stoffe, die ebenfalls in der Körperpflege eingesetzt werden!

Weitere Informationen und Studien zu Parabenen

 

5.3 Flammschutzmittel

Herkunft, Zweck

Flammschutzmittel, u.a. Polyurethan-Schaum, polybromierte Biphenyle (PBB) und polybromierte Diphenylether (PBDE), finden sich in vielen Gebrauchsgegenständen, z.B. in elektronischen Baugruppen, Kleidung, Matratzen und Kissen, damit sie sich nicht entzünden. Es ist fraglich, ob dieses Ziel bei den üblichen Konzentrationen wirklich erreicht wird.

Nachdem die PBDE verboten wurden, aber natürlich weiterhin in bereits gekauften Gegenständen enthalten sind, wurden Organophosphatester-Flammschutzmittel (organophosphate ester flame retardants, OPFR) als Nachfolgelösung entwickelt, die mindestens ebenso giftig sind.

Einwirkung auf den Menschen

Flammschutzmittel werden über die Atemluft aufgenommen und ins Blut abgegeben.

Wirkung, Symptome

  • Hormonstörungen:
    vorzeitiger Beginn der Regelblutung bei Mädchen; die Fruchtbarkeit bei Erwachsenen wird negativ beeinflusst bis hin zur Unfruchtbarkeit;
  • neurologisch:
    gesunde Entwicklung des Gehirns bei Kindern wird beeinträchtigt; Folge: ADHD, geringerer IQ
  • Schilddrüsen-Krebs.

Therapie
Flammschutzmittel werden gut mit dem Schweiß ausgeschieden, kaum mit dem Urin. Schwitzen, z.B. in der Sauna, ist gesund!

Grenzwert

PBB gelten gemäß RoHS-Verordnung der EU wegen ihrer Giftigkeit als eingeschränkte Substanz (restricted substance).
Seit 2006 sind PBB und PBDE praktisch verboten; Stoffe, Zubereitungen und Erzeugnisse dürfen nur max. 0,1 Gewichtsprozent dieser Flammschutzmittel je homogenem Werkstoff enthalten.

Empfehlung
Nehmen Sie nur Produkte ohne Flammschutzmittel. Sie sind giftig und überflüssig.

Weitere Informationen und Studien

 

5.4 Dioxine

Dioxine, genauer die Dibenzo-p-dioxine (PCDD) und Dibenzofurane (PCDF), entstehen als Nebenprodukte vor allem bei Verbrennungsprozessen (z.B. Müll- und Altölverbrennung, Waldbrände) und bei der Pestizid-Herstellung. Sie haften an Staubpartikeln und verbreiten sich auf diese Weise in der Umwelt.

Giftbelastung
Dioxine werden gefunden in

  • Lebensmitteln: Milchprodukte, Fleisch, Fisch, Eier;
  • Sanitärprodukten: Damenbinden und Tampons, von wo aus das Gift schnell in den Blutkreislauf gelangt.

Wirkung, Symptome
Dioxine sind sehr langlebige, fettlösliche Verbindungen, die sich im Fettgewebe von Tieren und Menschen anreichern und nur sehr langsam abgebaut werden. Als chronische Wirkungen von Dioxinen wurden bei Tierversuchen Störungen der Reproduktionsfunktionen, des Immunsystems, des Nervensystems und des Hormonhaushalts beobachtet. Bei einigen Dioxinen geht man davon aus, dass sie das Risiko, an Krebs zu erkranken, erhöhen.

Grenzwert
Für die chronische, tägliche Belastung mit Dioxin gibt es keinen sicheren Grenzwert.

Empfehlung
Besonders Produkte, die mit Schleimhaut und Blut in Berührung kommen, sollten nicht dioxinbelastet sein.

 

5.5 Weitere Hormonstörer

 

6. Gesundheitsschäden durch hormonstörende Stoffe

Welche Bereiche werden von Hormonstörern geschädigt?

Angeborene Fehlbildungen und andere Gesundheitsschäden

 

6.1 Symptome

Ein Hormonstörer kann an mehreren verschiedenen Rezeptoren andocken und dadurch die unterschiedlichsten Symptome hervorrufen. Die Empfindlichkeit gegenüber Hormonstörern hängt auch vom Zeitpunkt ab: wirkt der Hormonstörer während der Schwangerschaft, kurz nach der Geburt, im Kindes- oder Heranwachsenden-Alter? Und das Geschlecht spielt natürlich eine Hauptrolle.

 

6.2 Diagnostik

Es ist sehr schwer bis unmöglich, mit den Mitteln der medizinischen Diagnostik Hormonstörer als Ursache einer Erkrankung zu finden.

  • Zentrum der Gesundheit: Vier Ursachen von Hormonstörungen

    Hormon-Feinde: Vitamin-D-Mangel, Aufputschmittel und Stress, Umweltschadstoffe, Strahlenbelastung und Medikamente, Substanzen mit Hormonwirkung.

 

6.3 Sexualität

Es geht um die sexuelle Identität, um die Funktion der Sexualorgane und um die Fortpflanzungsfähigkeit. Idealerweise gibt es bei einem neugeborenen Kind eine Übereinstimmung zwischen den geschlechtsbestimmenden Chromosomen (XX bei Mädchen, XY bei Jungen), der Produktion der Sexualhormone und der Entstehung bzw. Ausprägung der Sexualorgane. Fehlt diese Übereinstimmung, dann können die körperliche und die seelische Gesundheit beeinträchtigt werden.

Was passiert dann?

  • Störung der natürlichen Sexualhormone ‒ Östrogene, Progesteron, Testosteron und weitere Androgene. In der Folge kann auch die Ausprägung primärer und sekundärer Geschlechtsmerkmale ‒ z.B. Stimmlage, Wachstum von Haaren, der Brust usw. ‒ gestört bzw. geschlechtsuntypisch sein.
  • Unfruchtbarkeit
    In der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) werden Hormone gebildet, die auf die Fruchtbarkeit beider Geschlechter einen großen Einfluss haben. Schäden bis hin zur Unfruchtbarkeit können durch chronische Giftbelastung, aber auch durch psychische Belastungen, z.B. Stress, entstehen.
    • WHO: 1 in 6 people globally affected by infertility (4.4.2023)

      DocCheck: Unfruchtbarkeit: Ein globales Problem

      17,5 % der Menschheit leidet an Unfruchtbarkeit, in reichen wie in armen Ländern. Das eröffnet große Gewinn-Chancen für die Reproduktions-Industrie ‒ Eizellspende, In-Vitro-Fertilisation, Leihmutterschaft. Leider wird die Kernfrage nicht gestellt und erst recht nicht beantwortet: was ist die Ursache? Chemikalien, die das Hormonsystem des Menschen und seine Fruchtbarkeit beschädigen, kommen leider in der Gedankenwelt der Schulmedizin nicht vor. Viel lieber denken die Schulmediziner darüber nach, welche Produkte sich daraus entwickeln lassen und wie die öffentlichen Kassen stärker zur Finanzierung der Gesundheitsschäden herangezogen werden können.

  • Gestörte Schwangerschaft; mögliche Folgen: Fehlgeburt, Frühgeburt, Totgeburt.
  • Gestörte Sexualentwicklung des Fötus und in der Folge des Kindes.

In diesem Abschnitt geht es um die speziellen Wirkungen von hormonstörenden Umweltgiften. Auch bei der Beschreibung der einzelnen Gifte finden sich Schadenswirkungen, die sich auf Sexualorgane, Fruchtbarkeit, Schwangerschaft und Geburt beziehen.

Lesen Sie auch:

 

6.3.1 weibliche Sexualität

Es geht um Gesundheitsschäden in Verbindung mit Pubertät, Menstruation, Fruchtbarkeit, Schwangerschaft, Entbindung und Stillen:

  • Die Anzahl der in den Eierstöcken befindlichen Eier wird vermindert, was die Fruchtbarkeit negativ beeinflusst.
    • Air pollution found to affect marker of female fertility in real-life study, auch hier (6.2019)

      Die Ovarien-Reserve, die Anzahl der in den beiden Eierstöcken vorhandenen Follikel und Eizellen, gilt als Maß der weiblichen Fruchtbarkeit und wird mithilfe des Hormons AMH gemessen. Sie wird durch Feinstaub (PM10 und PM2.5) und Stickstoffdioxid (NO2) in der Atemluft geschädigt, auch schon bei Schadstoffkonzentrationen deutlich unterhalb der in der EU gültigen Grenzwerte.

  • Dysmenorrhö, eine mit krampfartigen und langandauernden Schmerzzuständen einhergehende Menstruation.
  • Das prämenstruelle Syndrom (PMS) ist ein im Vorfeld der Menstruation auftretender Symptomkomplex, der bis zum Einsetzen der Regelblutung andauert.
  • Uterusmyom: gutartiger Tumor, der von der Muskulatur der Gebärmutter ausgeht.
  • Fehlgeburt und ektopische Schwangerschaft (Fötus-Entwicklung außerhalb des Uterus).
  • Endometriose: das Endometrium (Gebärmutterschleimhaut) verbreitet sich unter Schmerzen an andere Stellen im Körper.
  • Nach einer mRNA-Impfung gegen das Coronavirus gibt es große Probleme im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Menstruation.

Eine neue Reproduktionstechnik ist Maternal Spindle Transfer. Dabei wird das genetische Material von zwei Frauen zusammen mit den Spermien eines Mannes verwendet.

 

6.3.1.1 Frühzeitige Pubertät

Die zu frühzeitige Pubertät eines Mädchens ist äußerlich erkennbar am Brust- und Schamhaar-Wachstum. Bei Mädchen gibt es eine Tendenz zu einem immer früheren Beginn der Pubertät. Das ist mit einem erhöhten Risiko für chronische Krankheiten verbunden.

 

6.3.1.2 Polyzystisches Ovar-Syndrom (PCOS)

Das polyzystische Ovarsyndrom (polycystic ovary syndrome, PCOS) ist eine komplexe Erkrankung. Es ist die häufigste hormonelle Störung bei Frauen im gebärfähigen Alter und die häufigste Ursache für eine Unfruchtbarkeit im Zusammenhang mit Zyklusstörungen. Die Eierstöcke der Frau produzieren einen höheren Spiegel der männlichen Hormone (Androgene) als normal. Abhilfe (u.a.): Vitamin D.

 

6.3.1.3 Hormonstörer während der Schwangerschaft

Während der Schwangerschaft ist die Einwirkung von Hormonstörern besonders verhängnisvoll. Beobachtungen haben gezeigt, dass Fruchtwasser und Nabelschnurblut besonders viele Hormonstörer enthalten; die meisten schädigen die Schilddrüsen-Hormone.

 

6.3.2 männliche Sexualität

Folgende Schäden treten auf:

  • Schädigung der männlichen Geschlechtsorgane, -merkmale und der Spermien
  • Frühzeitige Pubertät eines Jungen
    wird mit später auftretenden Symptomen wie Reizdarm, Arthritis, Glaukom, Schuppenflechte, Krebs, Typ-2-Diabetes, Herzkrankheiten, Depressionen und Verhaltensstörungen in Verbindung gebracht.
  • Weniger männliches Verhalten;
  • höhere Sterblichkeit durch verringertes Testosteron;
  • Feminisierung (Verweiblichung) durch Störung des Hormonhaushalts von männlichen Föten und Kindern; Entwicklung von weiblichen (sekundären) Geschlechtsmerkmalen. Beispiele:
    • Menschen, die biologisch als männlich einzustufen sind, entwickeln weibliche Merkmale und empfinden sich als weiblich. In der Folge können operative Geschlechtsumwandlungen notwendig werden.
    • Bei zu viel Östrogen und zu wenig Testosteron kann es zu unnatürlichem Brustwachstum kommen.

Hinweis: Die ‒ bei Männern und Frauen unterschiedlichen ‒ Sexualhormone können bewirken, dass Umweltgifte in unterschiedlicher Weise auf Männer und Frauen einwirken und sie schädigen.

 

6.3.2.1 Geschlechtsorgane, Spermien

Es geht um die Schädigung der männlichen Geschlechtsmerkmale, der Geschlechtsorgane und der Spermien. Die Spermienqualität sinkt kontinuierlich seit Jahrzehnten, vermutlich verursacht durch hormonstörende Chemikalien, veränderten Lebensstil, Übergewicht (Adipositas) und weitere Faktoren. Das sollte die Menschheit aufrütteln und es sollte intensiv noch genauer nach den Ursachen geforscht werden. Aber seltsamerweise interessiert das kaum jemanden.

Wenn man davon ausgeht, dass die Chemikalienbelastung Hauptursache der sinkenden Spermienqualität ist, dann handelt es sich leider um eine Win-Win-Situation für die chemisch-pharmazeutische Industrie: sie verdient an den Chemikalien, die die Menschen schädigen, und sie verdient an den Medikamenten und Therapien, die für Menschen mit angeborenen Gesundheitsschäden benötigt werden. Es gibt keinen Anreiz, daran etwas zu ändern!

  • Fehlentwicklung der Hoden,
  • Hemmung der Samenreife,
  • verminderte Beweglichkeit der Spermien (Asthenozoospermie),
  • verminderte Anzahl und Konzentration der Spermien.

Die Schädigung der männlichen Fortpflanzungsfähigkeit findet mit einem alarmierenden Tempo statt: 1 % pro Jahr.

  • Zentrum der Gesundheit: Ursache für männliche Unfruchtbarkeit
  • Abnahme der SpermienzahlDie Zahl der Spermien nimmt ab.
  • E. Carlsen, A. Giwercman, N. Keiding, and N. E. Skakkebaek:
    Evidence for decreasing quality of semen during past 50 years, auch hier (12.9.1992)

    Kritik von Alexander Lerchl und Stellungnahme der Autoren

    Die Daten der letzten 50 Jahre ergeben einen Rückgang der mittleren Spermienzahl von 113 auf 66 x 106 Spermien pro ml und des Samenvolumens von 3,4 auf 2,75 ml. Letzteres deutet auf einen noch stärkeren Rückgang der Spermienproduktion hin. In derselben Zeit nahmen Schäden wie Hodenkrebs, Kryptorchismus (Hoden liegt außerhalb des Hodensacks), Hypospadie (Fehlbildungen im Bereich von Urethralfalten, Harnröhre und Penis) und bei den männlichen Keimdrüsen zu.

  • Frances Orton, Erika Rosivatz, Martin Scholze and Andreas Kortenkamp:
    Widely Used Pesticides with Previously Unknown Endocrine Activity Revealed as in Vitro Antiandrogens (6.2011);
    dazu Zeitungsartikel: Pesticides May Block Male Hormones

    30 von 37 getesteten Pestiziden blockieren männliche Hormone oder ahmen sie nach. Die meisten sind Fungizide.

  • The Straits Times, Singapore: World's sperm are in trouble (3.2017)

    90% der Spermien eines typischen jungen Mannes sind deformiert, manchmal mit 2 Köpfen oder 2 Schwänzen. Sie sollen in der Samenflüssigkeit zum Ei schwimmen, um es zu befruchten, aber sie tun dies sehr langsam und ohne Orientierung. Und die Zahl der Spermien hat in den letzten 75 Jahren rapide abgenommen. Deutlicher sichtbar sind andere Schäden: mehr Hodenkrebs, Hodenhochstand und angeborene Deformation des Penis.
    Nach der Befruchtung wird in der Gebärmutter entschieden: Junge oder Mädchen. Wird dieser Entscheidungsprozess gestört, wird die Sexualität (Organe, Hormone usw.) des Jungen geschädigt.
    Ursache der Gesundheitsschäden: hormonstörende Chemikalien!

  • greenmedinfo: Are Toxic Chemicals Turning Boys Into Girls? (3.2017)

    Früher (bis 1950) lag das Verhältnis von neugeborenen Jungen zu Mädchen bei 106:100. Seit 1970 gibt es einen Trend, dass der männliche Anteil stetig abnimmt. Das hat Gründe: Hormonstörer sabotieren die Entwicklung eines männlichen Fötus.

    Das Geschlecht des Kindes wird in 3 Punkten entschieden:

    1. die Gene, also die Chromosomen XY bei Jungen und XX bei Mädchen;
    2. die Sexualhormone, also Testosteron (männlich) und Östrogen (weiblich), beeinflussen die Vorgänge um Eier und Eisprung bzw. Spermien und Samenflüssigkeit;
    3. die Sexualorgane ‒ Penis, Hoden und Prostata bei Jungen, Vagina, Eierstock und Gebärmutter bei Mädchen.

    Im Ideallfall stimmen die Merkmale des Kindes in allen 3 Punkten überein und ergeben ein eindeutiges Geschlecht.

    Die Ausbildung der Sexualorgane geschieht im 2. Schwangerschaftsmonat und wird hormonell gesteuert. Soll es ‒ wegen des Y-Chromosoms ‒ ein Junge werden, dann wird das am Tag 51 der Schwangerschaft signalisiert: die schon begonnene Ausbildung weiblicher Sexualorgane wird gestoppt, männliche Sexualorgane entstehen. Die für die Bildung der Organe notwendige Zellteilung geschieht bei den Sexualorganen schneller als bei anderen Organen und ist deshalb leichter verwundbar, z.B. durch hormonstörende Chemikalien.

  • Tegan S. Horan, Alyssa Marre, Terry Hassold, Crystal Lawson, Patricia A. Hunt:
    Germline and reproductive tract effects intensify in male mice with successive generations of estrogenic exposure (20.7.2017)

    (Tierversuch, Mäuse) Erhalten männliche Mäuse Ethinylestradiol, ein synthetisches Sexualhormon, das in Antibabypillen enthalten ist, dann führt das zu Entwicklungsproblemen im Fortpflanzungstrakt und damit zu einer Verringerung der Spermienzahl.

    Männer können über kontaminiertes Trinkwasser und andere Quellen mit den Wirkstoffen von Antibabypillen in Kontakt kommen. Hormonell wirksame Chemikalien sind allgegenwärtig und kommen in allen Lebensmitteln, in Trinkwasser, Haushaltswaren, Körperpflegeprodukten, Reinigungsmitteln, antihaftbeschichteten Kochgeschirren und Kunststoffen vor.

  • Hagai Levine, Niels Jørgensen, Anderson Martino-Andrade, Jaime Mendiola, Dan Weksler-Derri, Irina Mindlis, Rachel Pinotti und Shanna H. Swan:
    Temporal trends in sperm count: a systematic review and meta-regression analysis, auch hier (25.7.2017)

    Kommentare:

    Die Zahl der Spermien hat in 38 Jahren dramatisch abgenommen - auf weniger als die Hälfte. Das ist nicht nur schlecht für die Fruchtbarkeit des Mannes, sondern auch für seine sonstige Gesundheit. Ursache könnte Giftbelastung des männlichen Embryos während der Schwangerschaft und des sich entwickelnden Knabens sein. Es gibt auch Zusammenhänge zu Stress und Fettleibigkeit des Mannes; genauer zu untersuchen wäre: werden Stress und Fettleibigkeit durch die gleichen Hormonstörer verursacht, die auch die männliche Fruchtbarkeit schädigen, und/oder sind sie Ursache einer geschädigten männlichen Fruchtbarkeit.

  • Pete Myers: Science: Are we in a male fertility death spiral? (26.7.2017)
    Männliche Sterilität ist ein wachsendes Problem. Deshalb sollten Sie sich Sorgen machen – und Ihre Kinder sollten Angst haben.

    Die Studienlage ist beängstigend. Die Spermienzahl und -qualität von jungen Männern nimmt dramatisch ab. Das beeinträchtigt nicht nur die Möglichkeit zur Fortpflanzung, sondern erhöht auch das Risiko für Krankheit und Tod des Mannes.

  • Perheentupa, Antti: Male infertility and environmental factors (2017)

    Die Spermienqualität bei Männern nimmt ab. Zahlreiche Chemikalien wirken als hormonstörende Substanzen, und ihre schädlichen Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit und die Spermien-Produktion wurden in Studien mit Nagetieren nachgewiesen. Es ist schwierig, die Folgen für den Menschen zu untersuchen, denn sie zeigen sich erst 2 Jahrzehnte später.

  • Jayasena CN, Radia UK, Figueiredo M, Revill LF, Dimakopoulou A, Osagie M, Vessey W, Regan L, Rai R, Dhillo WS:
    Reduced Testicular Steroidogenesis and Increased Semen Oxidative Stress in Male Partners as Novel Markers of Recurrent Miscarriage, auch hier (1.2019)

    Kommentar in Spiegel-Online: Hängen Spermienqualität und Fehlgeburten zusammen?

    Auch der Mann, der durch seinen Anteil an der Zeugung die Schwangerschaft mitveranlasst hat, könnte Ursache einer Fehlgeburt sein. Diese kann durch hormonelle Störung der Reproduktionsfunktionen (d.h. der Sexualorgane) beim Mann, durch Schädigung der Spermien (z.B. durch oxidativen Stress) und durch die Fragmentierung der Spermien-DNA verursacht werden.

  • R. Rahban, L. Priskorn, A. Senn, E. Stettler, F. Galli, J. Vargas, M. Van den Bergh, A. Fusconi, R. Garlantezec, T. K. Jensen, L. Multigner, N. E. Skakkebæk, M. Germond, N. Jørgensen, S. Nef, the NICER Working Group:
    Semen quality of young men in Switzerland: a nationwide cross-sectional population-based study, auch hier (5.2019)
    Kommentar: Spermienqualität von Schweizer Männern ist besorgniserregend

    Bei 6 von 10 jungen Männern erreicht der Samen die Normwerte für Anzahl und Beweglichkeit der Spermien nicht. 17% der Männer sind an der Grenze zur Unfruchtbarkeit.

  • Joachim Mutter, Peter Hensinger: Rückgang der Spermienqualität: Umweltmedizinische Ursachen (2019)

    Mindestens 15 % aller Paare bleiben ungewollt kinderlos. Auch bei künstlicher Befruchtung bleibt der Erfolg meistens aus. In 30–50 % der Fälle sind Zahl und Qualität der Spermien das Problem. Folgende Umweltfaktoren tragen dazu bei: Schwermetall- und Arsenbelastungen, Glyphosat und Pestizide in der Landwirtschaft, Bisphenyl A und Elektrosmog.

  • Shanna H. Swan, Stacey Colino:
    Count Down: Wie unsere moderne Welt die Spermienzahl bedroht, die Fortpflanzungsentwicklung von Männern und Frauen verändert und die Zukunft der Menschheit gefährdet.
    Das Buch erschien als englische und als deutsche Ausgabe (Buch erschienen 23.2.2021).

    Shanna Swan:
    Webseite
    Reproductive Problems in Both Men and Women Are Rising at an Alarming Rate (16.3.2021)
    A Global Fertility Crisis (Video, 12.10.2021)

    Kommentar von Erin Brockovich, Suzanne Boothby (The Guardian):
    Plummeting sperm counts, shrinking penises: toxic chemicals threaten humanity (3.2021)

    Interview mit Shanna Swan:
    How plastics are making us infertile — and could even lead to human extinction (4.4.2021)

    Shanna Swan ist eine Umwelt- und Reproduktionsepidemiologin an der Icahn School of Medicine am Mount Sinai Krankenhaus in New York. Ihr Buch Count Down zeigt, dass die Spermienzahl seit 1973 um fast 60 % gesunken ist. Aktuell sinkt die Fortpflanzungsfähigkeit um 1 % pro Jahr. Wenn die Entwicklung so weitergeht wie bisher, könnte die Zahl der Spermien bis 2045 auf Null sinken. Null. Das würde bedeuten: keine Babys, keine Fortpflanzung, keine Menschen mehr. Warum beruft die UNO nicht sofort eine Krisensitzung zu diesem Thema ein?

    Die Chemikalien, die für diese Krise verantwortlich sind, finden sich in Plastikbehältern und Lebensmittelverpackungen, in wasserfester Kleidung, in Duftstoffen von Reinigungsmitteln, in Seifen und Shampoos, in Elektronik und Teppichböden. Phthalate, Bisphenol A (BPA) und Flammschutzmittel sind die schlimmsten Chemikalien für die reproduktive Gesundheit. PFAS sind als Ewigkeits-Chemikalien bekannt, weil sie sich in der Umwelt und im menschlichen Körper nicht abbauen. Sie reichern sich immer weiter an und richten immer mehr Schaden an.

  • Hagai Levine, Niels Jørgensen, Anderson Martino-Andrade, Jaime Mendiola, Dan Weksler-Derri, Maya Jolles, Rachel Pinotti, Shanna H Swan:
    Temporal trends in sperm count: a systematic review and meta-regression analysis of samples collected globally in the 20th and 21st centuries (15.11.2022)

    Endocrine Disruptors - Common Chemicals That Severely Alter Your Hormones - Dr. Shanna Swan (Video, 3.1.2023)

    The Defender: Experten zufolge sind Kunststoffe ein wichtiger Faktor für den rapiden Rückgang der Spermienzahl, auf englisch (3.2.2023)

    Die Autoren der Studie von 2017 haben nachgelegt. Sie haben ihre Untersuchung über die fallende Anzahl der Spermien auf die weniger entwickelten Länder in Südamerika, Afrika und Asien und auf die Jahre 2011 bis 2018 ausgedehnt. Die Ergebnisse sind noch bedrohlicher als zuvor: die Geschwindigkeit (Rate), mit der die Spermien abnehmen, steigt seit dem Jahr 2000 von 1,16% auf 2,64% pro Jahr. Als Ursache werden Hormonstörer identifiziert - Phthalate, Bisphenole und Pestizide.

    Die Spermienzahl eines Mannes kann sich in drei Monaten von einer Pestizidbelastung erholen, vorausgesetzt, die Pestizidbelastung wird beendet. Anders sieht es aus, wenn eine schwangere Frau Pestiziden ausgesetzt ist. Dann kann ihr ungeborener Sohn betroffen sein ‒ seine Spermienzahl wird sich nicht erholen (siehe Video, Minute 10:29). Enkelkinder sind ebenfalls betroffen, da die Veränderungen über Generationen weitergegeben werden.

  • Sarah Kimmins, Richard A Anderson, Christopher L R Barratt, Hermann M Behre, Sarah R Catford, Christopher J De Jonge, Geraldine Delbes, Michael L Eisenberg, Nicolas Garrido, Brendan J Houston, Niels Jørgensen, Csilla Krausz, Ariane Lismer, Robert I McLachlan, Suks Minhas, Tim Moss, Allan Pacey, Lærke Priskorn, Stefan Schlatt, Jacquetta Trasler, Leonardo Trasande, Frank Tüttelmann, Mónica Hebe Vazquez-Levin, Joris A Veltman, Feng Zhang, Moira K O'Bryan:
    Frequency, morbidity and equity - the case for increased research on male fertility, auch hier (12.10.2023)

    Kommentar in DocCheck: Rapider Rückgang der männlichen Fruchtbarkeit (19.10.2023)

    Die abnehmende Samenqualität und die zunehmende Häufigkeit von Hodenkrebs und angeborenen Defekten im Urogenitalsystem deuten darauf hin, dass die reproduktive Gesundheit von Männern in den letzten Jahrzehnten weltweit abgenommen hat. Die derzeitigen Methoden zur Untersuchung männlicher Unfruchtbarkeit sind völlig veraltet: Familiengeschichte, körperliche Untersuchung, Hormonprofil und einfache Samenanalyse. Damit wird die Ursache der Unfruchtbarkeit nicht gefunden. Leider werden eher technische Methoden eingesetzt, um dem Mann die Fortpflanzung zu ermöglichen, statt die Ursache zu suchen.

  • Lauren B. Ellis, Karen Molina, C. Rebecca Robbins, Marlaina Freisthler, Daria Sgargi, Daniele Mandrioli, and Melissa J. Perry:
    Adult Organophosphate and Carbamate Insecticide Exposure and Sperm Concentration: A Systematic Review and Meta-Analysis of the Epidemiological Evidence, auch hier (15.11.2023)

    Matthew Rozsa, salon: Common pesticides linked to reduction in sperm count, study finds (16.11.2023)

    Pestizide und Insektizide (Organophosphate und N-Methylcarbamate) zerstören die Vitalität der Spermien. Das ergibt die Analyse der Spermienkonzentration von Männern, die in der Landwirtschaft arbeiten. Die Giftbelastung muss unbedingt reduziert werden, um anhaltende Schäden an der männlichen Fortpflanzung zu verhindern.

  • Studie: Weichmacher (Phthalate) schädigen die Beweglichkeit der Spermien. (4.1.2024)

 

6.4 Neurologie, Psychiatrie

Symptome von neurologischen Schäden, die üblicherweise der Psychosomatik oder der Psychiatrie zugerechnet und ggf. dort behandelt werden, sind

  • Intelligenzverlust (geringerer IQ) bis hin zur geistigen Behinderung und zum Schwachsinn,
  • Autismus (ASD),
  • Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitäts-Störung (ADHD),
  • Stimmungsschwankungen,
  • Verhaltensstörungen.

Weitere Informationen:

 

6.5 Schilddrüse

Einige weit verbreitete Chemikalien greifen bevorzugt die Schilddrüse an. Die Schilddrüsenhormone der Mutter sind wichtig für die normale Gehirnentwicklung in Fötus und Kleinkind. Sobald die Hormonstörer die Rezeptoren im Gehirn besetzen, ist die normale Gehirnentwicklung gestört; Synapsen werden nicht gebildet. Schon eine geringe Gift-Belastung in der Schwangerschaft kann die kognitive Entwicklung der Nachkommen negativ beeinflussen.

Die chronische Erschöpfung (engl.: chronic fatigue syndrome, CFS) kann durch eine Unterfunktion der Schilddrüse (mit-)verursacht werden.

 

6.6 Probleme mit den Nebennieren

Jeder Mensch hat zwei Nebennieren, die aus Nebennierenrinde und -mark bestehen. Sie produzieren etwa 40 verschiedene Hormone: die Stresshormone Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol, auch Aldosteron (reguliert den Blutdruck) und die Androgene (männliche Hormone, wie z.B. Testosteron und DHEA). Die Nebennierenrinde agiert dabei nicht eigenständig. Sie wird von den Hormondrüsen im Gehirn (Hypophyse und Hypothalamus) gesteuert, wann sie wie viel von welchem Hormon bilden soll. Möglich ist eine Über- oder Unterfunktion der Nebennieren.

 

6.7 Metabole Disruptoren schädigen das Stoffwechselsystem

Metabole Disruptoren arbeiten, ebenso wie endokrine Disruptoren (Hormonstörer), an Rezeptoren: sie besetzen und blockieren die Rezeptoren und schädigen deren natürliche Stoffwechsel-Funktion. Chemikalien wie Bisphenol A, PFC, Phthalate, DDT, PCB, Fungizide und Tributylzinn schädigen den Energie- und Fett-Stoffwechsel. Besonders kritisch ist die Giftbelastung im Zeitraum zwischen der Entwicklung im Mutterleib und der frühen Kindheit. Durch Schädigung der Hormone, die den Stoffwechsel steuern, entsteht krankhaftes Übergewicht und Fettleibigkeit bei Kindern und Erwachsenen. Krankhaft bedeutet: die Fettleibigkeit entsteht, auch wenn die Menschen dieselbe Kalorienmenge wie nicht geschädigte Menschen aufnehmen.

Ergebnis: das metabolische Syndrom, also Fettleibigkeit (Bauchfett, Adipositas), Insulin-Resistenz, Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörung (Fettleber, Cholesterin).

  • EU-Projekte
    • Projekt OBELIX ‒ OBesogenic Endocrine disrupting chemicals: LInking prenatal eXposure to the development of obesity later in life
      Die Ursprünge von Fettleibigkeit abwägen

      Die Studie befasst sich mit der Frage, ob die Ursprünge von Fettleibigkeit bei Kindern bereits vor der Geburt vorhanden sind. In diesem Zusammenhang untersucht sie die Wirkung einer Reihe von endokrin wirksamen Verbindungen (EDC).

    • edcmet ‒ Stoffwechseleffekte hormonell wirksamer Chemikalien: neuartige Testmethoden und unerwünschte Wirkungspfade
    • EURION ‒ European Cluster to Improve Identification of Endocrine Disruptors
      Neue Test- und Screening-Methoden zur Identifizierung endokrin wirksamer Chemikalien.
  • Robert M. Sargis, Brian A. Neel, Clifton O. Brock, Yuxi Lin, Allison T. Hickey, Daniel A. Carlton, and Matthew J. Brady:
    The Novel Endocrine Disruptor Tolylfluanid Impairs Insulin Signaling in Primary Rodent and Human Adipocytes through a Reduction in Insulin Receptor Substrate-1 Levels (2.2012)

    Tolylfluanid, Hormonstörer und Wirkstoff in Fungiziden und Holzschutzmitteln, schädigt die Insulin-Rezeptoren und trägt damit zu Diabetes Typ 2 bei.

  • Interview mit Bruce Blumberg: What Do We Know about Obesogens? oder als pdf (2.7.2012)

    Blumberg ist ein Entwicklungsbiologe, der sich mit der dick machenden Wirkung von hormonstörenden Chemikalien, den Obesogenen, beschäftigt hat. Bisher wurden 20 Chemikalien gefunden, u.a.: Organo-Zinn-Verbindungen, Bisphenol A, Perfluoroktansäure (PFOA) und Phthalate. Aber das ist erst der Anfang.

    Zum Beispiel Zinn: Tributylzinn aktiviert den Rezeptor PPAR-gamma, der der Hauptregulator der Fettzellenentwicklung ist. Daraufhin testeten wir die Fähigkeit von Tributylzinn, Zellen in Kulturen zu Fettzellen werden zu lassen, und wir testeten die Auswirkungen auf Mäuse und fanden heraus, dass es auch Mäuse fett machen kann. [...] Der Mechanismus besteht darin, dass die Aktivierung von PPAR-Gamma dazu führt, dass mehr und größere Fettzellen in diesen Tieren entstehen und eine Art von Stammzellen in den Tieren, die so genannten mesenchymalen Stammzellen, dazu neigen, sich in Fettzellen zu verwandeln.

  • Jerrold J. Heindel, Frederick S. vom Saal, Bruce Blumberg, Patrizia Bovolin, Gemma Calamandrei, Graziano Ceresini, Barbara A. Cohn, Elena Fabbri, Laura Gioiosa, Christopher Kassotis, Juliette Legler, Michele La Merrill, Laura Rizzi, Ronit Machtinger, Alberto Mantovani, Michelle A. Mendez, Luisa Montanini, Laura Molteni, Susan C. Nagel, Stefano Parmigiani, Giancarlo Panzica, Silvia Paterlini, Valentina Pomatto, Jérôme Ruzzin, Giorgio Sartor, Thaddeus T. Schug, Maria E. Street, Alexander Suvorov, Riccardo Volpi, R. Thomas Zoeller & Paola Palanza:
    Parma consensus statement on metabolic disruptors (20.5.2015)

    Kommentar vom Spiegel: Dick durch Chemikalien? (19.5.2016)

    Fettleibigkeit, Diabetes und das metabolische Syndrom werden auch durch Umweltchemikalien, die metabolischen Disruptoren, verursacht. Wenn nur Kalorienaufnahme und -verbrauch gesehen werden, dann kann die Stoffwechsel-Epidemie nicht erfolgreich bekämpft werden.

  • Amanda S. Janesick and Bruce Blumberg: Obesogens: an emerging threat to public health (5.2017)

    Ein Teil der Hormonstörer, die Obesogens, fördern Fettleibigkeit durch Veränderung der Fettzellen-Entwicklung. Dadurch wird mehr Energie in Fettgewebe gespeichert, und die hormonelle Steuerung von Appetit und Sättigung wird beeinflusst. Unklar ist bisher, ob Fettleibigkeit vererbt wird.

  • Joana Araújo, Jianwen Cai and June Stevens:
    Prevalence of Optimal Metabolic Health in American Adults: National Health and Nutrition Examination Survey 2009–2016, auch hier (11.2018)

    Kommentar: This Is U.S.: Just 12 Percent Of American Adults Are Metabolically Healthy, Study Finds

    Nur 12 % der US-Amerikaner sind hinsichtlich ihres Stoffwechsels gesund (metabolische Gesundheit). Alle anderen, also die weit überwiegende Mehrheit, hat ein erhöhtes Risiko, Diabetes, Herz-Kreislauf- oder andere gefährliche Krankheiten zu entwickeln. Kriterien für gute Gesundheit: Blutzucker, Triglyceride (Blutfette), Cholesterin, Blutdruck und Bauchumfang.

  • Michelle Kira Lee, Bruce Blumberg: Transgenerational effects of obesogens (24.2.2019)

    Fettleibigkeit entsteht nicht nur durch übermäßigen Verzehr kalorienreicher Lebensmittel und eine verminderte körperliche Aktivität. Auch die Belastung durch bestimmte Chemikalien in der Gebärmutter oder in der frühen Kindheit beeinflussen die spätere Veranlagung zu Fettleibigkeit. In den letzten Jahren wurde bei zahlreichen Chemikalien erkannt, dass sie die Fettspeicherung stimulieren und weitere Gesundheitsschäden verursachen, auch bei den folgenden Generationen. Im Tierversuch zeigten sich dauerhafte Auswirkungen bis zu den Nachkommen der 4. Generation.

  • Nicole Schuster, DocCheck: Aus Weichmacher wird Dickmacher (20.10.2023)

    Seit den 2000er-Jahren wird daran geforscht: Hormonstörer verursachen Fettleibigkeit (Adipositas). Auch einige Medikamente wirken so: Neuroleptika wie Clozapin, selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), Antidepressiva und Antihistaminika.
    Es gibt einen Fehler im Titel: der Dickmacher ist nicht BPA, sondern die Phthalate.

  • Chemikalien im Hausstaub machen fett
    Die Chemikalien fördern schon bei sehr geringer Konzentration (ab 0,1 mg) die Entwicklung von Fettzellen durch Beeinflussung der Hormone. Kinder nehmen schätzungsweise täglich 60 bis 100 mg Hausstaub in ihren Körper auf.

 

6.8 weitere Gesundheitsschäden

Weitere Gesundheitsschäden können durch Hormonstörer verursacht werden:

  • z.B. Allergien, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, chronische Entzündungen, Autoimmunkrankheiten
  • Krebs, z.B. Brustkrebs durch synthetische Östrogene, Prostatakrebs, Uterus- und Schilddrüsen-Karzinome.
    Diese Schäden werden auch bei Jugendlichen beobachtet, die als Kleinkinder hormonwirksamen Substanzen ausgesetzt waren.
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen

 

7. Empfehlungen

Die Einwirkung von Chemikalien überall zu verhindern ist kaum möglich. Aber es lohnt sich, Überlegungen anzustellen, welche Chemikalien in welchen alltäglichen Lebenssituationen gemieden werden sollten.

  • Gesund Zuhause - Informationsportal der Stiftung viamedica und Prof. Dr. Franz Daschner
    mit vielen Informationen über Gifte und Giftvermeidung
  • Leonardo Trasande ist Autor des Buchs Sicker - Fatter - Poorer. In dem Beitrag Avoiding Endocrine-Disrupting Chemicals: 5 Tips (7.2.2020) gibt er 5 Tipps, wie man Hormonstörer meidet:
    1. Vorsicht bei bestimmten Kochgeschirren ‒ Pfannen mit Antihaftbeschichtung enthalten Perfluoralkylsubstanzen (PFAS), also Chemikalien, die den Stoffwechsel verlangsamen und eine Gewichtszunahme verursachen. Gusseisen und Edelstahl sind gute Alternativen. Verwenden Sie Glas für die Aufbewahrung Ihrer Lebensmittel und wiederverwendbare Taschen zu Hause und für den Transport von Lebensmitteln aus dem Supermarkt.
    2. Bekämpfen Sie die Umweltverschmutzung in Innenräumen! Flammschutzmittel, die in Matratzen, Teppichen, Möbeln und Elektronikgeräten verwendet werden, reichern sich im Hausstaub an und beeinträchtigen die Schilddrüse. Öffnen Sie die Fenster und verwenden Sie einen feuchten Wischmopp, um sie zu reduzieren. Prüfen Sie, ob Ihren Polstermöbeln Flammschutzmittel zugesetzt wurden.
    3. Essen Sie Bio und keine Konserven. Bio-Lebensmittel sind frei von gentechnisch veränderten Organismen und Pestiziden, die die Schilddrüse schädigen, die Wahrnehmungsfähigkeit beeinträchtigen und Krebs verursachen können. Wählen Sie Fleisch und Milchprodukte von natürlich ernährten und artgerecht gehaltenen Tieren.

      Lebensmittelkonserven können Bisphenole enthalten, die Östrogene sind und Fettzellen vergrößern. Sie verbleiben in der Umwelt, verdoppeln das Risiko für Typ-2-Diabetes und sind wahrscheinlich giftig für Embryonen. Verwenden Sie keine Pestizide auf Ihrem Rasen und ziehen Sie die Schuhe aus, wenn Sie Ihr Haus betreten.

    4. Verzichten Sie auf die Mikrowelle und meiden Sie verpackte Lebensmittel. Das Etikett mikrowellensicher ist irreführend, da von den Kunststoffen mikroskopisch kleine Polymere in die Lebensmittel gelangen. Verarbeitete und verpackte Lebensmittel enthalten Maissirup mit hohem Fruchtzuckergehalt, künstliche Süßstoffe, Pestizide und andere Adipositas-Verursacher. Phthalate in Lebensmittelverpackungen und Transportbehältern können den Fett- und Kohlenhydratstoffwechsel beeinträchtigen und zu Fettleibigkeit führen.
    5. Vermeiden Sie Vinyl und Plastik. Verwenden Sie einen Duschvorhang aus Stoff, der in der Maschine gewaschen werden kann. Diese bleiben sauberer und halten länger als Vinyl. Ersetzen Sie Gepäckstücke und Rucksäcke durch Produkte aus organischem Mischgewebe.

 


Allgemeine Informationen zu Hormonen und hormonstörenden Stoffen

  • Elisabeth Buchner: HormonSelbsthilfe
    u.a. Adressen von Selbsthilfegruppen und Beratern
  • Wikipedia: Endokrine Disruptoren

    Das Risiko, dass der endokrine Disruptor eine schädliche Wirkung auf Mensch und Tier haben könnte, hängt von dem Grad (der Dosis), der Dauer und dem Zeitpunkt der Exposition von Menschen bzw. Tieren gegenüber dieser Gefahr ab.

  • The Endocrine Disruption Exchange
  • EDC Free Europe
    Für ein Europa ohne hormonstörende Chemikalien
  • Die Wingspread Erklärung zu endokrinen Disruptoren (1991)

    In dieser Erklärung einer Gruppe von Wissenschaftlern wird die Anwendung des Vorsorgeprinzips für Umweltgifte, besonders bei endokrinen Disruptoren (Hormonstörern), gefordert. Diese sind besonders hinsichtlich der Fortpflanzung gefährlich für den Menschen. Die gesundheitsschädlichen Wirkungen zeigen sich möglicherweise erst, wenn der Nachkomme erwachsen ist.

  • Ruthann A. Rudel and Laura J. Perovich:
    Endocrine disrupting chemicals in indoor and outdoor air (1.2009)

    In dieser Studie werden die Herkunft der Chemikalien, Innen- und Außenluft-Konzentrationen und Toxizitätsdaten dargestellt. Der Wirkungsmechanismus, die Schadenswirkungen und die Dosis-Wirkungs-Beziehungen wurden zu wenig untersucht und werden bisher kaum verstanden. Chemikalien, die im breiten Einsatz sind, werden dennoch nicht systematisch auf hormonstörende Effekte untersucht.

  • Evanthia Diamanti-Kandarakis, Jean-Pierre Bourguignon, Linda C. Giudice, Russ Hauser, Gail S. Prins, Ana M. Soto, R. Thomas Zoeller, and Andrea C. Gore:
    Endocrine-Disrupting Chemicals: An Endocrine Society Scientific Statement (6.2009)

    Hormonell wirksame Chemikalien (endokrin wirksame Chemikalien, EDCs) sind Substanzen in unserer Umwelt, in Lebensmitteln und Konsumgütern, die die Biosynthese, den Stoffwechsel oder die Wirkung von Hormonen stören. Das hat Auswirkungen auf die männliche und weibliche Fortpflanzung, die Brustentwicklung und -krebs, auf Prostatakrebs, das Nervensystem, die Schilddrüse, auf Stoffwechsel und Fettleibigkeit sowie das Herz-Kreislauf-System. Empfehlungen: Förderung der Grundlagen- und klinischen Forschung und Stärkung des Vorsorgeprinzips.

  • A C Gore, V A Chappell, S E Fenton, J A Flaws, A Nadal, G S Prins, J Toppari, R T Zoeller:
    EDC-2: The Endocrine Society's Second Scientific Statement on Endocrine-Disrupting Chemicals (11.2015)

    Umfassende Darstellung der wissenschaftlichen Literatur zu Hormonstörern: 1) Fettleibigkeit und Diabetes; 2) weibliche Fortpflanzung; 3) männliche Fortpflanzung; 4) hormonempfindliche Krebserkrankungen bei Frauen; 5) Prostata; 6) Schilddrüse; und 7) Neuroentwicklung und neuroendokrine Systeme.

  • Maria Elisabeth Street, Sabrina Angelini, Sergio Bernasconi, Ernesto Burgio, Alessandra Cassio, Cecilia Catellani, Francesca Cirillo, Annalisa Deodati, Enrica Fabbrizi, Vassilios Fanos, Giancarlo Gargano, Enzo Grossi, Lorenzo Iughetti, Pietro Lazzeroni, Alberto Mantovani, Lucia Migliore, Paola Palanza, Giancarlo Panzica, Anna Maria Papini, Stefano Parmigiani, Barbara Predieri, Chiara Sartori, Gabriele Tridenti, and Sergio Amarri:
    Current Knowledge on Endocrine Disrupting Chemicals (EDCs) from Animal Biology to Humans, from Pregnancy to Adulthood: Highlights from a National Italian Meeting, auch hier (6.2018)

    Umfassender Überblick über hormonstörende Chemikalien: ihr Einfluss auf die Entwicklung von Gehirn und Psyche, z.B. Autismus, verursacht durch Quecksilber, PCB, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), Flammschutzmittel, Phthalate, Bisphenol A und Pestizide. Außerdem: Stoffwechselstörungen und Fettleibigkeit, Auswirkungen auf das Wachstum vor und nach der Geburt, auf die Schilddrüse, auf die Pubertät, die Fruchtbarkeit und auf die Entwicklung von Krebs.

17.4.2024 23:37

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