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Polychlorierte Biphenyle (PCB)

hier sollte ein Bild mit einer Fuge aus PCB-haltigem Kunststoff gezeigt werden
Wenn man - z.B. mit der Spitze eines Kugelschrei­bers - in die PCB-haltige Fugenmasse hineindrückt, bleibt kein Abdruck, weil die Fugenmasse elastisch wieder in die Ausgangsposition zurückkehrt.
Aus dem SWR-Film
Das vergessene Gift - Wie PCB uns alle belastet
PCB kommen in der Natur nicht vor. Sie wurden seit den 1930er Jahren industriell hergestellt und haben sehr gute technische Eigenschaften: sie sind nicht brennbar, wasserabweisend, haben hohe Wärme- und niedrige elektrische Leitfähig­keit (Isolatoren) und sind langzeitstabil. PCB sind eine Gruppe von 209 Kongeneren, die sich durch unterschiedliche Anzahl und Stellung der Chloratome am Biphenyl unterscheiden. PCB wurden in den 1960er und 1970er Jahren massenhaft eingesetzt. Seit 1966 wurde erkannt, dass sie in der Umwelt (also auch im Menschen) nicht abgebaut werden, sondern sich anreichern. PCB wurden in Deutschland 1978 in offenen Systemen und 1989 generell verboten. Weltweit wurden sie 2001 - zusammen mit anderen Chemikalien - im Stockholmer Abkommen verboten.

PCB sind geruchlos und haben hormonähnliche Wirkungen, sind krebserregend, schädigen das Erbgut, das zentrale Nervensystem, das Immun­system, die Schilddrüse, das Reproduktions­system (Sexualität und Fortpflanzung) und die Haut. Sie stören die kindliche Entwicklung.

Giftbelastung

PCB sind wegen ihrer Langlebigkeit immer noch in unserer Umwelt vorhanden:
  • in der Innenraumluft von Gebäuden, weil sie dort als Weichmacher in Farbanstrichen, Fugen-Dichtungsmassen und Isoliermitteln eingesetzt wurden;
  • in elektrischen und elektronischen Bauelementen, z.B. in Transformatoren und Kondensatoren, folglich gibt es Gefahren beim Recycling;
  • im Sediment von Flüssen, weil PCB-Abfälle in Gewässern entsorgt wurden;
  • in Lebensmitteln, besonders den fetthaltigen: Eier, Milch, Käse, Fleisch.

PCB sind fettlöslich, werden vom Menschen über die Luft, die Haut und die Nahrung aufgenommen, sind sehr langlebig und werden im Körper in Fett und Fettgewebe gespeichert. Biologische Halbwertszeit: Jahre (niedrig chlorierte PCB) bis Jahrzehnte (höher chlorierte PCB).

Wirkung, Symptome

  • Nervensystem: Entwicklungsstörungen (Kinder), Depressionen, Feinmotorik, Polyneuropathie
  • Immunsystem, autoimmune Effekte, aber auch Mangelerscheinungen
  • Hormonhaushalt: Unterfunktion der Schilddrüse, Störungen des Zuckerstoffwechsels (Folge: Diabetes Typ 2)
  • Haut: Chlorakne, Pigmentstörungen
  • Leber: Änderungen des Stoffwechsels, Funktionsstörungen
  • Krebs: Malignes Melanom? Vgl. IARC 15.03.2013
  • Psyche: Besorgnis, Angst, Depression

Die Effekte treten mit höherer Wahrscheinlichkeit bei höheren Belastungen auf und sind damit dosisabhängig. Aber ein unbedenklicher Schwellenwert und damit ein gesundheitsbasierter Grenzwert kann für kein PCB angegeben werden.

Diagnostik, Therapie

In der Schulmedizin gibt es keine Diagnostik, mit der PCB als Ursache einer Erkrankung bestätigt oder ausgeschlossen werden kann.

Mit zunehmendem Lebensalter werden höher chlorierte PCB im Körper angereichert. PCB werden kaum ausgeschieden; wenn doch, dann hauptsächlich über die Galle und Darm bzw. Stuhl. Niedrig chlorierte PCB werden schneller verstoffwechselt. Es bilden sich Stoffwechselprodukte, die z.T. über die Nieren ausgeschieden werden.

Grenzwert

  • PCB-Konzentration in der Raumluft (Stand: 1994)
    • bis 300 ng PCB je m³ Luft gelten als ungefährlich,
    • darüber bis 3000 ng je m³ soll die PCB-Quelle mittelfristig beseitigt werden.
    • Erst über 3000 ng je m³ soll das PCB sofort entfernt werden.
    Experten fordern max. 60 ng je m³ Luft.
  • Exposition: Aufnahme von PCB in den Körper
    • WHO (2003): Der Mensch darf max. 20 ng PCB pro Tag und pro kg Körpergewicht aufnehmen.

      Mit den seit 1994 gültigen Luft-Grenzwerten ist dieser WHO-Wert nicht zu erreichen.

    • EFSA: Für Dioxine und dioxinähnliche PCB in Lebensmitteln wurde eine tolerierbare wöchentliche Aufnahmemenge (Tolerable Weekly Intake ‒ TWI) von 2 Pikogramm pro kg Körpergewicht bestimmt.
  • HBM-Grenzwerte im Blut (Serum):
    • HBM I: 3,5 µg PCB gesamt je Liter Blut.
      Bei Unterschreitung dieser Konzentration ist nicht mit einer gesundheitlichen Beeinträchtigung zu rechnen.
    • HBM II: 7 µg PCB gesamt je Liter Blut.
      Bei Überschreitung dieser Konzentration ist eine gesundheitliche Beeinträchtigung möglich, die für die betroffenen Risikogruppen relevant ist.
    Wie üblich beim HBM bleibt unklar, ob die Konzentration des Schadstoffs im Blut überhaupt etwas mit dem Gesundheitszustand des Menschen zu tun hat: gibt es einen wissenschaftlich nachgewiesenen Zusammenhang, eine Korrelation? Oder hängt der Gesundheitszustand nicht eher davon ab, wie viel PCB sich in den Organen befindet?

Ziel der Grenzwerte ist es nicht nur, den einzelnen Menschen vor Erkrankung zu schützen, sondern auch, die Kostenbelastung, z.B. für Hauseigentümer, in Grenzen zu halten. Die Grenzwerte stellen also einen gesundheitlich-ökonomischen Kompromiss und keinen vollständigen Schutz der Gesundheit dar. Der Kompro­miss führt also zwangsläufig zu Erkrankungen. Die betroffenen Patienten haben aber keine Chance, für das Opfer, das sie für den Kompromiss erbringen, entschädigt zu werden. Denn sie müssten im Einzelfall den Nachweis erbringen, dass die Ursache ihrer Erkrankung das Gift ist. Dafür gibt es jedoch keine anerkannte diagnostische Methode.

Juristische Situation

PCB sind zwar seit 1978 in Deutschland und seit 2001 weltweit verboten, werden aber in Ländern der 3. Welt noch eingesetzt.


Studien und weitere Informationen zu PCB

21.9.2021 5:09

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