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Blei

Vorkommen

Blei kommt aus alten Wasserleitungen (gebaut vor 1973) [6], Malerfarben (Bleiweiß, Blei-Mennige), Flugzeugtreibstoff, Radiatoren, Batterien und Akkumulatoren, Spielzeug und billigem Schmuck (Anhänger von Ketten und Armbändern) vorzugsweise für Kinder, Lippenstift [4], Innereien von Schlachttieren und findet sich in Wildgerichten, die Bleikugeln von der Jagd enthalten. Auch (Sport-)Schützen, die Bleimunition verwenden, sind gefährdet. Bleiplatten werden zur Abschirmung gegenüber Röntgenstrahlung verwendet.

Wirkung, Symptome

Obwohl Menschen seit Jahrtausenden mit Blei in Kontakt kommen, hat die Evolution nicht dazu geführt, dass Immun- und Stoffwechselsystem sich daran anpassen konnten - die Giftwirkung ist unverändert hoch. Die Wirkung von Blei beruht darauf, dass Calcium durch Blei verdrängt wird. Folgende Symptome [1] wurden beobachtet:

  • systemisch / biologisch
    Blei unterdrückt die Freigabe von Neurotransmittern und verändert die Rezeptoren der Neurotransmitter. Tierversuche haben gezeigt, dass besonders der D2-Rezeptor von Dopamin bereits bei niedrigen Dosen geschädigt wird. Die Störung dopaminerger Funktionen durch Blei kann eine Vielzahl neurokognitiver Probleme und Verhaltensstörungen verursachen. Zudem wird der oxidative Stress verstärkt, das Immunsystem geschädigt und es werden die Glutathion-Werte verringert.

    Da die Belastung mit Blei keine offensichtlichen, typischen Symptome erzeugt, wird sie häufig nicht bemerkt und kann deshalb über viele Jahre einwirken. Werden Symptome bemerkt, dann enthält der Körper bereits erhebliche Mengen an Blei.

  • im Nervensystem, besonders im zentralen Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) [8]:
    Kopfschmerzen, Gedächtnisverlust, Schlafprobleme, neuropsychologische Veränderungen, die sich als irreversible Intelligenzdefizite, Beeinträchtigung der kognitiven Funktionen und psychomotorische Störungen äußern, Panikattacken, verkürzte Aufmerksam­keitsspanne, Hyperaktivität, Unfähigkeit zu sozialen Bindungen; erhöhte Bereitschaft zu Gewalttätigkeit und Kriminalität [2].

    Taubheit und Kribbeln in den Extremitäten,

    Blei ist besonders gefährlich für das sich entwickelnde Nervensystem im Kind. Es ist aber praktisch unmöglich, im Einzelfall die sich ergebenden Verhaltensstörungen auf Blei als Ursache zurückzuführen.

    Blei im Hirn macht dumm.

  • Bleibelastung vor der Geburt
    mögliche Folgen: Frühgeburt, niedrigeres Geburtsgewicht, langsameres Wachstum.
  • Blutbildungssystem:
    Beeinträchtigung der Hämoglobinsynthese auf mehreren Stufen: die Produktion der roten Blutzellen wird gestört, und eine Anämie kann verursacht werden.
  • Blei durchdringt die Blut-/ Hirn-Schranke und die Plazenta-Schranke.
  • Genetische Defekte, Mutationen der Zellen und dadurch die Erhöhung des Krebs-Risikos, vor allem im Blutbildungssystem mit der Folge von Leukämie und malignen Lymphomen.
  • Erhöhung des Blutdrucks; kardiovaskuläre und ischämische Herzkrankheiten,
  • Krämpfe, Verstopfung, Bauchschmerzen, Appetitverlust, Erbrechen, Nierenschäden, Muskelschwäche,
  • Schäden am Gehör und an den Nieren;
  • Autoimmunkrankheiten der Haut [9]
  • Knochen: die Calcium-Aufnahme in die Knochen und damit das Knochenwachstum wird gestört.
  • Schädigung des Hormonsystems mit der Folge von:
    • Reduzierung der Sexualhormone und Beeinträchtigung der Fortpflanzungsfähigkeit bis hin zur Unfruchtbarkeit,
    • Fehl-, Früh- oder Totgeburten;
    • Schädigung der Hormon-Signalisierung innerhalb des Stress-Systems, die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (engl. HPA-Axis).
      Folge: Der Körper kann Stress schlechter bewältigen, und es kommt zu Bluthochdruck, Diabetes, Angst und Depressionen.

Besonders gefährdet sind Kinder, da sich bei ihnen das Gehirn und die Knochen im Wachstums- und Entwicklungsprozess befinden. Es besteht das Risiko verzögerter Entwicklung, von Verhaltensstörungen, geringerer Intelligenz sowie von Problemen beim Hören und Sprechen.

Werte und Grenzwert [3]

Es gibt keinen sichereren Expositions-Schwellenwert, unter dem Schäden des zentralen Nervensystems durch Blei ausgeschlossen sind.

  • Bleihaltiger Schmuck: max. 0,05 Gewichts-Prozent;
  • Trinkwasser: 10 µg/l.
  • Sogar bei einer Blutkonzentration von unter 250 µg Blei je Liter Blut besteht das Risiko für reduzierte kognitive Funktionen bei Kindern. In den USA wurde der Grenzwert auf 150 µg/l gesetzt. Aber schon Werte unterhalb 50 µg Blei je Liter Blut sind ein erhebliches Gesundheits- und Lebensrisiko. Es gibt keinen sicheren Grenzwert für Blei im Blut.

Aufnahme und Ausscheidung

  • Während der Schwangerschaft [5] werden Mineralien an den Orten (z.B. Knochen), wo sie gespeichert waren, freigesetzt, weil der sich entwickelnde Fötus einen besonderen Mineralienbedarf hat. Auch schädliche Metalle wie Blei und Aluminium werden freigesetzt.
  • Blei kann eingeatmet (Bleistaub) oder über die Haut aufgenommen werden. Das meiste Blei endet in den Knochen.
  • Verhängsnisvoll ist die Kombination von Quecksilber und Blei: beide zusammen sind um ein Vielfaches giftiger als Blei oder Quecksilber alleine.
  • Die Aufnahme von Blei in den Körper, die Absorption, wird reduziert durch Vitamin C, Calcium (Ca), Eisen und, in geringerem Maß, durch Zink und Phosphor. Da Ca durch Blei ersetzt wird, empfiehlt sich eine gute Ca-Versorgung. [7]
  • Die Ausscheidung von Blei wird durch Chlorella-Algen, durch die Vitamine C, E, B1, B9 (Folsäure) zusammen mit Vitamin B12, vermutlich auch durch Vitamin B6 gesteigert. Als Chelatbildner ist DMSA geeignet.

[1] Aus einem Bericht der UNEP vom 9.2.2017:
Jährlich wird mit weltweit 600.000 neuen Fällen geistiger Behinderung von Kindern durch Bleivergiftung gerechnet, die meisten in den Entwicklungsländern. Darunter versteht man den Verlust an Intelligenz, die Verkürzung der Aufmerksamkeitsspanne und Verhaltens­störungen. Es gibt keine Behandlung für diese Symptome. Bei Erwachsenen wurden Bluthochdruck, Nierenkomplikationen, Schmerzen an Gelenken und Muskeln, Verschlechterung der mentalen Leistungsfähigkeit, Gedächtnisverlust und affektive Gemüts­störungen beobachtet. Es gibt auch Schäden an den Fortpflanzungsfunktionen: bei Männern verringert sich die Spermienanzahl und die Spermien werden abnorm verändert, bei schwangeren Frauen kommt es zu Fehl- und Frühgeburten.

UNEP und WHO wollen bis 2020 ein weltweites Verbot von Blei in Malerfarben durchsetzen.

[2] Studien zum Zusammenhang zwischen Bleibelastung und Neigung zu asozialem Verhalten bzw. Gewalttätigkeit

[3] Zu den Grenzwerten

[4] Blei in Lippenstift

  • Gefährliches Gift im Lippenstift
    Eine amerikanische Studie der Universität von Kalifornien, Berkeley (UCB) ergab, dass Lippenstifte gesundheitsgefährdende Mengen an Metallen wie Aluminium, Cadmium, Blei, Titan sowie anderen Toxinen enthalten.
  • Fit for Fun: Lauert die Gefahr im Lippenstift?
    Dass in manchem Pflegeprodukt Blei enthalten sein kann, wissen wir seit einer groß angelegten Untersuchung der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA (Food and Drug Administration) im Jahr 2011. [...] Gefunden wurden Cadmium, Kobalt, Aluminium, Titan, Mangan, Chrom, Kupfer und Nickel.

[5] Blei in Verbindung mit Schwangerschaft und Geburt

[6] Blei im Trinkwasser

[7] Blei-Aufnahme und Ernährung

[8] Studien zur Neurotoxizität von Blei

  • Bressler JP, Goldstein GW: Mechanisms of lead neurotoxicity. (2.1991)
    Im sich entwickelnden Giehirn gibt es keinen Schwellwert für die Giftwirkung. Calcium, das lebenswichtige Zellfunktionen reguliert, wird blockiert. Die Produktion von Neurotransmittern wird verändert: einerseits gibt es unkontrollierte Produktion, andererseits wird die erwünschte Produktion blockiert. Dadurch entstehen während der Gehirn-Entwicklung weniger Synapsen: das Gehirn arbeitet weniger effizient, und es entstehen kognitive Defizite. Die Blut-Hirn-Schranke, die das Gehirn vor der Einwirkung schädlicher Substanzen schützen soll, wird dauerhaft beschädigt.
  • Stretesky PB, Lynch MJ: The Relationship between Lead Exposure and Homicide, auch hier (5.2001)
    In verschmutzter Luft führt Blei, nicht die anderen Faktoren, zu erhöhter Selbstmordneigung.
  • Lidsky TI, Schneider: Lead neurotoxicity in children: basic mechanisms and clinical correlates (1.2003)
    Schon extrem niedrige Blei-Belastung des sich entwickelnden Gehirns führen zu Verhaltensstörungen. Genetische Bedingungen spielen dabei eine wichtige Rolle.

[9] Studien zu Autoimmunkrankheiten der Haut

 

Weitere Quellen:

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