Hier sollte ein Foto zu sehen sein

Pfad: Gifte - (Schwer-)Metalle - Blei

Blei

Allgemeines: Vorkommen, Verwendung

Blei wurde und wird an vielen Stellen eingesetzt

  • Früher (vor 1973) wurden Wasserleitungen aus Blei hergestellt [6],
  • Malerfarben: Bleiweiß und Blei-Mennige sind in alten Häusern immer noch vorhanden;
  • Treibstoff: für Jahrzehnte wurde Blei als Antiklopfmittel in Treibstoffen eingesetzt. Seit 1996 ist Blei in Benzin verboten; Blei wird aber weiterhin in Flugbenzin eingesetzt.
  • Radiatoren,
  • Batterien und Akkumulatoren,
  • Spielzeug und billiger Schmuck (Anhänger von Ketten und Armbändern), vorzugsweise für Kinder,
  • Lippenstift [4],
  • Lebensmittel: Blei findet sich in
    • Gewürzen,
    • Innereien von Schlachttieren,
    • Wildgerichten, die Bleikugeln von der Jagd enthalten.
      Auch (Sport-)Schützen, die Bleimunition verwenden, sind gefährdet.
  • Bleiplatten zur Abschirmung gegenüber Röntgenstrahlung.

Wirkung, Symptome

Obwohl Menschen seit Jahrtausenden mit Blei in Kontakt kommen, hat die Evolution nicht dazu geführt, dass Immun- und Stoffwechselsystem sich daran anpassen konnten - die Giftwirkung ist unverändert hoch. Die Wirkung von Blei beruht darauf, dass Calcium durch Blei verdrängt wird. Folgende Symptome [1] wurden beobachtet:

  • systemisch / biologisch
    Blei unterdrückt die Freigabe von Neurotransmittern und verändert die Rezeptoren der Neurotransmitter. Tierversuche haben gezeigt, dass besonders der D2-Rezeptor von Dopamin bereits bei niedrigen Dosen geschädigt wird. Die Störung dopaminerger Funktionen durch Blei kann eine Vielzahl neurokognitiver Probleme und Verhaltensstörungen verursachen. Zudem wird der oxidative Stress verstärkt, das Immunsystem geschädigt und es werden die Glutathion-Werte verringert.

    Da die Belastung mit Blei keine offensichtlichen, typischen Symptome erzeugt, wird sie häufig nicht bemerkt und kann deshalb über viele Jahre einwirken. Werden Symptome bemerkt, dann enthält der Körper bereits erhebliche Mengen an Blei.

  • im Nervensystem, besonders im zentralen Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) [8]:

    Blei blockiert im Plexus choroideus die Synthese von Transthyretin und dadurch den Transport des Schilddrüsenhormons T4 in den Liquor. Blei erhöht die Durchlässigkeit der Blut-Liquor-Schranke für Gifte, auch Gold und Silber. Blei hemmt die Bildung von intakten NMDA-Rezeptoren und die Glutamat-abhängige Signalweiterleitung und führt dadurch zum Absterben von Neuronen.

    Symptome: Koma, Krämpfe, Kopfschmerzen, Gedächtnisverlust, Depression, Erschöpfung, Schlafprobleme, neuropsychologische Veränderungen, die sich als irreversible Intelligenzdefizite, Beeinträchtigung der kognitiven Funktionen und psychomotorische Störungen äußern, Angststörungen, Panikattacken, verkürzte Aufmerksam­keitsspanne und Hyperaktivität (ADHS), Unfähigkeit zu sozialen Bindungen; erhöhte Bereitschaft zu Gewalttätigkeit und Kriminalität [2].

    Taubheit und Kribbeln in den Extremitäten,

    Blei ist besonders gefährlich für das sich entwickelnde Nervensystem im Kind. Es ist aber praktisch unmöglich, im Einzelfall die sich ergebenden Verhaltensstörungen auf Blei als Ursache zurückzuführen.

    Blei im Hirn macht dumm.

  • Bleibelastung vor der Geburt
    mögliche Folgen: Frühgeburt, niedrigeres Geburtsgewicht, langsameres Wachstum.
  • Blutbildungssystem:
    Beeinträchtigung der Hämoglobinsynthese auf mehreren Stufen: die Produktion der roten Blutzellen wird gestört, und eine Anämie kann verursacht werden.
  • Blei durchdringt die Blut-/ Hirn-Schranke und die Plazenta-Schranke.
  • Genetische Defekte, Mutationen der Zellen und dadurch die Erhöhung des Krebs-Risikos, vor allem im Blutbildungssystem mit der Folge von Leukämie und malignen Lymphomen.
  • Verschlechterung der Cholesterin-Werte, Erhöhung des Blutdrucks; kardiovaskuläre und ischämische Herzkrankheiten [10],
  • Krämpfe, Verstopfung, Bauchschmerzen, Appetitverlust, Erbrechen, Nierenschäden, Muskelschwäche,
  • Schäden am Gehör und an den Nieren;
  • Autoimmunkrankheiten der Haut [9]
  • Knochen und Gelenke: [11]
    die Calcium-Aufnahme in die Knochen und damit das Knochenwachstum wird gestört; Blei ist ein Risikofaktor für Knie-Osteoarthritis.
  • Schädigung des Hormonsystems mit der Folge von:
    • Reduzierung der Sexualhormone und Beeinträchtigung der Fortpflanzungsfähigkeit bis hin zur Unfruchtbarkeit,
    • Fehl-, Früh- oder Totgeburten;
    • Schädigung der Hormon-Signalisierung innerhalb des Stress-Systems, die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (engl. HPA-Axis).
      Folge: Der Körper kann Stress schlechter bewältigen, und es kommt zu Bluthochdruck, Diabetes, Angst und Depressionen.

Besonders gefährdet sind Kinder, da sich bei ihnen das Gehirn und die Knochen im Wachstums- und Entwicklungsprozess befinden. Es besteht das Risiko verzögerter Entwicklung, von Verhaltensstörungen, geringerer Intelligenz sowie von Problemen beim Hören und Sprechen.

Werte und Grenzwert [3]

Es gibt keinen sichereren Expositions-Schwellenwert, unter dem Schäden des zentralen Nervensystems durch Blei ausgeschlossen sind.

  • Bleihaltiger Schmuck: max. 0,05 Gewichts-Prozent;
  • Trinkwasser: 10 µg/l.
  • Sogar bei einer Blutkonzentration von unter 250 µg Blei je Liter Blut besteht das Risiko für reduzierte kognitive Funktionen bei Kindern. In den USA wurde der Grenzwert auf 150 µg/l gesetzt. Aber schon Werte unterhalb 50 µg Blei je Liter Blut sind ein erhebliches Gesundheits- und Lebensrisiko. Es gibt keinen sicheren Grenzwert für Blei im Blut.

Aufnahme und Ausscheidung

  • Während der Schwangerschaft [5] werden Mineralien an den Orten (z.B. Knochen), wo sie gespeichert waren, freigesetzt, weil der sich entwickelnde Fötus einen besonderen Mineralienbedarf hat. Auch schädliche Metalle wie Blei und Aluminium werden freigesetzt.
  • Blei kann eingeatmet (Bleistaub) oder über die Haut aufgenommen werden. Das meiste Blei endet in den Knochen.
  • Verhängsnisvoll ist die Kombination von Quecksilber und Blei: beide zusammen sind um ein Vielfaches giftiger als Blei oder Quecksilber alleine.
  • Die Aufnahme von Blei in den Körper, die Absorption, wird reduziert durch Vitamin C, Calcium (Ca), Eisen und, in geringerem Maß, durch Zink und Phosphor. Da Ca durch Blei ersetzt wird, empfiehlt sich eine gute Ca-Versorgung. [7]
  • Die Ausscheidung von Blei wird durch Chlorella-Algen, durch die Vitamine C, E, B1, B9 (Folsäure) zusammen mit Vitamin B12, vermutlich auch durch Vitamin B6 gesteigert. Als Chelatbildner ist DMSA geeignet.

[1] Aus einem Bericht der UNEP vom 9.2.2017:
Jährlich wird mit weltweit 600.000 neuen Fällen geistiger Behinderung von Kindern durch Bleivergiftung gerechnet, die meisten in den Entwicklungsländern. Darunter versteht man den Verlust an Intelligenz, die Verkürzung der Aufmerksamkeitsspanne und Verhaltens­störungen. Es gibt keine Behandlung für diese Symptome. Bei Erwachsenen wurden Bluthochdruck, Nierenkomplikationen, Schmerzen an Gelenken und Muskeln, Verschlechterung der mentalen Leistungsfähigkeit, Gedächtnisverlust und affektive Gemüts­störungen beobachtet. Es gibt auch Schäden an den Fortpflanzungsfunktionen: bei Männern verringert sich die Spermienanzahl und die Spermien werden abnorm verändert, bei schwangeren Frauen kommt es zu Fehl- und Frühgeburten.

UNEP und WHO wollen bis 2020 ein weltweites Verbot von Blei in Malerfarben durchsetzen.

[2] Studien zum Zusammenhang zwischen Bleibelastung und Neigung zu asozialem Verhalten bzw. Gewalttätigkeit

[3] Zu den Grenzwerten

[4] Blei in Lippenstift

  • Gefährliches Gift im Lippenstift
    Eine amerikanische Studie der Universität von Kalifornien, Berkeley (UCB) ergab, dass Lippenstifte gesundheitsgefährdende Mengen an Metallen wie Aluminium, Cadmium, Blei, Titan sowie anderen Toxinen enthalten.
  • Fit for Fun: Lauert die Gefahr im Lippenstift?
    Dass in manchem Pflegeprodukt Blei enthalten sein kann, wissen wir seit einer groß angelegten Untersuchung der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA (Food and Drug Administration) im Jahr 2011. [...] Gefunden wurden Cadmium, Kobalt, Aluminium, Titan, Mangan, Chrom, Kupfer und Nickel.

[5] Blei in Verbindung mit Schwangerschaft und Geburt

[6] Blei im Trinkwasser

[7] Ernährung und Blei-Aufnahme

  • O A Levander: Lead toxicity and nutritional deficiencies (4.1979)

    Defizite an dem Mineral Calcium, aber auch an Phosphor, Eisen, Zink und manchmal Kupfer erhöht die Giftigkeit von Blei; auch Mangel an Vitamin E und der Verzehr von viel Fett erhöhen die Giftwirkung. Blei verursacht oxidativen Stress an roten Blutkörperchen und zerstört sie dadurch. Blei schädigt die Zellmembranen.

  • How to Fight Lead Exposure with Nutrition

    Wie kann man im Alltag und durch geeignete Ernährung die Blei-Aufnahme veringern? Vermeiden Sie bleihaltiges Wasser zum Händewaschen und Trinken. Versorgen Sie sich gut mit den Mineralien Calcium und Eisen sowie mit Vitamin C.

  • Hore, Paromita; Alex-Oni, Kolapo; Sedlar, Slavenka; Nagin, Deborah:
    A Spoonful of Lead ‒ A 10-Year Look at Spices as a Potential Source of Lead Exposure (1-2019)

    Mehr als 30% der untersuchten Gewürze aus 41 Ländern hatten Bleiwerte von über 2 ppm. Die höchsten Konzentrationen wurden in Gewürzen aus Georgien, Bangladesch, Pakistan, Nepal und Marokko gefunden.

[8] Studien zur Neurotoxizität von Blei

[9] Studien zu Autoimmunkrankheiten der Haut

[10] weitere Informationen und Studien zur Wirkung von Blei auf das Herz-Kreislauf-System

  • American Heart Association: Lead, mercury exposure raises cholesterol levels (11.2018)

    Forschungsergebnisse der US-amerikanischen Herz-Vereinigung: Durch Blei verschlechtern sich die Cholesterin-Werte, besonders beim LDL, dem schlechten Cholesterin.

[11] weitere Informationen und Studien zur Wirkung von Blei auf Knochen und Gelenke

 

Weitere Informations-Quellen:
  • Needleman H: Lead poisoning, auch hier (8.2003)

    Die Beseitung von bleihaltigen Farben mag teuer sein; das wird aber durch den hohen gesundheitlichen Nutzen mehr als aufgewogen.

  • Umweltbundesamt
    und die Kommssion HBM erheben Daten zur Giftbelastung der Bevölkerung
  • Labor Dr. Bayer: Referenzwerte für Blei, Cadmium und Quecksilber
  • Busse, Franziska P.; Fiedler, Georg Martin; Leichtle, Alexander; Hentschel, Helmut; Stumvoll, Michael:
    "Bleiintoxikation durch gestrecktes Marihuana in Leipzig" (2009)
    Marihuana und andere Drogen werden vermutlich deshalb mit Blei gestreckt, weil sich durch das hohe spezifische Gewicht von Blei der Verkaufspreis in die Höhe treiben lässt. Die Herkunft des Bleis ist unbekannt.

    Diskussion:

    • Muttray, Axel: Indikation für Chelattherapie kritisch stellen
      Der Arbeitsmediziner lehnt die Chelattherapie bei Bleivergiftung ab.
    • Letzel, Stephan: Falsch zitiert
      Der Arbeitsmediziner lehnt eine Chelattherapie wegen ernsthafter Nebenwirkungen auch bei hoher Bleikonzentration im Blut ab.
    • Drexler, Hans: Wegweisend für eine Intoxikation
      Auch im 21. Jahrhundert werden an deutschen Arbeitsplätzen noch Bleikonzentrationen bis über 700 µg/L Vollblut gemessen, ohne dass die Exponierten Symptome einer klinisch manifesten Vergiftung aufwiesen. Drexler merkt ‒ trotz seiner Beobachtung ‒ nicht, dass die Bleikonzentration im Blut nicht geeignet ist, das Ausmaß der Vergiftung zu bestimmen.
    • Hentschel, Helmut: Schlusswort
      Der Autor des ursprünglichen Artikels verteidigt die Behandlung der Patienten mit dem Chelatbildner Succimer (DMSA).

    Alle Diskussionsteilnehmer halten fälschlicherweise daran fest, dass man das Ausmaß der Bleivergiftung an der Bleikonzentration im Blut erkennen könne und dass eine Entgiftungstherapie auch bei hohen Werten nicht indiziert sei.

    Joachim Mutter: Leserbrief zu Diskussion
    Mutter weist darauf hin, dass durch erhöhte Bleiwerte das Risiko für Krankheiten wie Krebs, Herzinfarkt und Schlaganfall deutlich ansteigt. Deshalb ist die Blei-Entgiftung, z.B. mit Chelatbildnern, gerechtfer­tigt, obwohl sie von den Arbeitsmedizinern abgelehnt wird.

  • Why is Lead Bad For Humans?
    Blei wird seit über 8000 Jahren genutzt, und seit über 2000 Jahren ist dessen Giftigkeit bekannt. Die Schadenswirkung beruht darauf, dass Blei wichtige Spurenelemente wie Zink, Calcium und Eisen aus ihren Verbindungen verdrängt.
  • Geschichte: Ging das Römische Reich durch Bleivergiftung zugrunde?
    • Spiegel: Gift im Brei (9.1965)
      Nicht süßes Leben hat Roms Niedergang verschuldet, sondern süßer Saft. Wein (dem die römische Society reichlich zusprach) und Trauben-Sirup (mit dem Roms Köche ihrer Herrschaft Speisen süßten) waren - einige Jahrhunderte hindurch - mit Spuren eines heimtückischen Gifts versetzt. Bechernd und Brei löffelnd hat sich Roms Oberschicht in gemeinschaftlichem Selbstmord dezimiert: Rom kränkelte und starb an Bleivergiftung.
    • Bild der Wissenschaft: Verbleites Trinkwasser im alten Rom (4.2014)
      Das Trinkwasser im alten Rom war offenbar doch ziemlich bleihaltig. [...] Vor allem im frühen römischen Reich und im frühen Mittelalter lag die Bleibelastung demnach bis zum 100-Fachen über den natürlichen Werten.
    • spektrum.de: Die Schwermetallgeschichte des alten Rom
      Trink- und Abwasser wurden durch Bleileitungen geführt. Das Blei hat sich im Sediment des Flusses Tiber und des Hafens Ostia abgelagert.
  • CDC:
  • ATSDR

Ihr Browser unterstützt leider nicht das 'object'-Element, um den hier vorgesehenen Text anzuzeigen.