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Allgemeines zu Giften

Diagnostik und Therapie chronisch wirksamer Gifte, auch Umweltgifte genannt, werden allgemein der Umwelt­medizin zugeordnet. Umweltmedizin gibt es aber nur als öffentliche Gesundheitsvorsorge [1] (z.B. in Gesund­heitsämtern), nicht für die Behandlung von Patienten. Deshalb existieren innerhalb der Schulmedizin kaum Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten [2] für die klinische Umweltmedizin. Schulmediziner wissen nur wenig über Umweltgifte und tippen deshalb bei entsprechenden Symptomen schnell auf psychosomatische oder gar psychiatrische Ursachen, denn da ist kein Nachweis der Ursache möglich oder gefordert.

Zu chronisch wirkenden Giften gibt es unterschiedliche Positionen:

1. Schulmedizin

1.1 Diagnostik

In der wissenschaftlichen Medizin, volkstümlich Schulmedizin genannt, kennt man keine Diagnostik, die eine Beziehung herstellt zwischen den Symptomen, mit denen der Patient zum Arzt geht, und Umweltgiften als Ursache, auch nicht bei gravierenden chronischen Erkrankungen (z.B. Autoimmunkrankheiten), und auch nicht da, wo - wie bei Krebs - Gifte als Ursache allgemein bekannt sind (karzinogene Stoffe). Folglich gibt es innerhalb der Schulmedizin praktisch keine Patienten, bei denen eine chronische Giftbelastung diagnostiziert wurde. Symptome, die durch neurotoxische Belastung entstanden sind, werden von Neurologen gerne als psychosomatische bzw. psychiatrische Symptome umgedeutet. Die Psychiatrie kann auch zum Einsatz kommen, wenn der Patient uneinsichtig gegenüber dem Arzt ist und auf einer korrekten Umweltgift-Diagnostik besteht.

1.2 Therapie

Dennoch erhält der Patient eine Therapie. Sie orientiert sich allein an den Symptomen. Der Therapeut veranlasst keinen Expositionsstopp und keine Giftausleitung. Falls die Giftmenge nicht zu groß war und die Giftexposition aus irgendeinem Grund endet, ist nach längerer Zeit eine Symptombesserung in manchen Fällen möglich. Falls die Giftexposition nicht gestoppt wird, sondern andauert, ist eine Heilung unmöglich, und es wird zu einer Verschlimmerung der Symptome kommen. Falls in der Therapie nebenwirkungs-behaftete pharmazeutische Medikamente zum Einsatz kommen, ist auch mit deren Nebenwirkungen, also zusätzlicher Verschlimmerung, zu rechnen.

1.3 Gutachten

Anders kann es aussehen, wenn der Patient zu einem Gutachter kommt, zum Beispiel, weil der Patient wegen Falschbehandlung vor Gericht klagt. Der Gutachter verfügt über eine Diagnostik, etwa die Messung der Giftkonzentration im Blut oder Urin, und wird diese meistens anwenden. Leider ist diese Diagnostik unzuver­lässig bis ungeeignet: die Giftbelastung in Blut, Urin und Stuhl sagt kaum etwas aus über die Giftbelastung der Organe, des Nerven- oder des Immunsystems. Ganz im Gegenteil: hohe Giftkonzentration im Urin zeigt gute Giftausscheidungsfähigkeit des Körpers an; also werden Nerven- und Immunsystem und die kritischen Organe eher geringer belastet sein und der Mensch bleibt gesund. Nur wer Gifte aufnimmt, sie aber nicht ausscheidet, wird krank. In seinem Gutachten wird der Gutachter dann darauf hinweisen, dass die geringe Giftkonzentration gegen Gift als Ursache der Erkrankung spricht. Zusätzlich wird er Studien zitieren, die keinen statistischen Zusammenhang zwischen der Gifteinwirkung und den Krankheitssymptomen des Patienten gefunden haben. Das führt üblicherweise zur Abweisung der Klage.

1.4 Konsequenz

Wenn chronische Giftbelastung die Krankheitsursache ist, wäre es im Interesse der Gesundheit wichtig, diese Ursache zu ermitteln und sofort abzustellen (Expositionsstopp). Durch die Ignoranz der Schulmedizin wird die Ursache nicht behandelt, die Krankheit wird chronisch und eine Heilung unmöglich. Gutachter helfen dabei, die Ignoranz juristisch abzusichern.

Patienten, die eine chronische Giftbelastung als Ursache ihrer Erkrankung vermuten und an einer Heilung interessiert sind, sollten Ärzte meiden, die sich zu sehr der schulmedizinischen Dogmatik verpflichtet fühlen. Im Fall einer juristischen Auseinandersetzung sollte sich der Kläger den vom Gericht oder der Gegenseite vorgeschlagenen Gutachter sorgfältig ansehen und bei Voreingenommenheit oder Inkompetenz ablehnen.

2. Alternative Medizin

Die alternative oder komplementäre Medizin arbeitet nicht nach ähnlich einheitlichen (dogmatischen) Regeln wie die Schulmedizin. Bei den Ärzten trifft der Patient auf ein großes Spektrum von Diagnostik- und Heilmethoden - manche sinnvoll, manche sinnlos. Wenn der Patient Glück hat (und meistens benötigt er auch die finanziellen Mittel für das Honorar), dann trifft er auf einen Arzt, der gründlich nach der Ursache sucht und vielleicht sogar fündig wird. Danach sollte eine Therapie folgen, die das Gift bzw. die Gifte schonend aus dem Körper befördert  ̶  man spricht auch von Giftausschwemmung, Giftausleitung oder Entgiftung. Wenn der Patient nicht weiß, ob die Methode des Therapeuten zielführend ist, sollte er nach einem Nachweis fragen, ob das Gift wirklich den Körper verlässt oder nur im Körper hin- und hergeschoben wird; durch Letzteres können sowohl Besserungs- als auch Verschlimmerungs-Symptome entstehen, aber keine dauerhafte Heilung.

Patienten, die sich in der Vielfalt der alternativen Medizin zurecht finden wollen, etwa hinsichtlich der angewandten diagnostischen und therapeutischen Methoden oder bei der Suche nach einem guten Arzt, sollten sich gründlich informieren, sei es in den Medien, z.B. im Internet, oder bei Gleichgesinnten in einer Selbsthilfegruppe.

3. Wozu gehört mein Arzt?

Jeder Arzt (einschließlich Zahnarzt) benötigt eine Approbation, um Patienten zu behandeln. Die erhält er im Allgemeinen nur nach einem Universitäts-Studium der Humanmedizin bzw. Zahnmedizin. Jeder Arzt ist also zunächst Schulmediziner. Er darf sich aber weiterentwickeln, muss sich sogar fortbilden. Diese Fortbildung kann auch alternativmedizinische Aspekte umfassen. Für seine tägliche Arbeit gilt die Therapiefreiheit. Aber er darf dem Patienten nicht schaden (Primum non nocere) und kann sich bei Behandlungsfehlern nicht auf mangelnde Erfahrung oder ungenügende Ausbildung berufen.

Der Arzt kann ein Fachgebiet nennen, auf dem er sich spezialisiert hat, und er kann auch mit besonderen Spezialkenntnissen werben, z.B. Akupunktur oder Umweltmedizin. Es gibt aber keine Garantie, dass der Arzt für bestimmte Diagnosen oder Therapien kompetent ist; das gilt auch für sein Fach- oder Spezialgebiet.


[1] Die Kommission Umweltmedizin im Robert-Koch-Institut definiert Umweltmedizin so:
"Als interdisziplinäres Fachgebiet befasst sich die Umweltmedizin in Theorie und Praxis mit den gesundheits- und krankheitsbestimmenden Aspekten der Mensch-Umwelt-Beziehung. Als zentraler Fachgegenstand gelten Umweltfaktoren / Umweltexpositionen und deren Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit"

[2] Dr. Wolfgang Baur in umwelt - medizin - gesellschaft 2/2016, Seite 56, "Umweltmedizin akut":
Nach der Übernahme der 'Umweltmedizin' in die Arbeits-, Sozial- und Hygiene-Lehrstühle der universitären Medizin kam 'unsere' klinische Umweltmedizin aus dem Blickfeld. Die Zusatzqualifikation der Ärztekammer wurde ersatzlos gestrichen. Unsere Fortbildungen gibt es noch - aber sie haben nur persönlichen Nutzen. Das öffnet der Psychiatrisierung Tür und Tor.

Dr. Peter Ohnsorge, Vortrag auf der 14. Umweltmedizinischen Jahrestagung Berlin, November 2015:
Die Bedeutung der Klinischen Umweltmedizin in der Zukunft
Der Autor beschreibt anschaulich die Komplexität der Umweltmedizin und die Steine, die man ihr in den Weg legt.

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